Ukraine-Krise : Sechs Soldaten bei Kämpfen getötet

Wieder Tote in der Ostukraine. Auf einen Separatistenführer in Donezk ist offenbar ein Attentat verübt worden, er wurde nach Angaben russischer Medien leicht verletzt. Die Ereignisse rund um die Ukraine im Nachrichten-Blog.

von und
"Volksgouverneur" Bolotow gibt am Sonntag beim Referendum in Donezk seine Stimme ab.
"Volksgouverneur" Bolotow gibt am Sonntag beim Referendum in Donezk seine Stimme ab.Foto: AFP

+++ Neue Kämpfe in der Ostukraine - wieder Tote +++

Im Osten der Ukraine sind nach Angaben der Regierung in Kiew bei einem Gefecht mit prorussischen Separatisten sechs Soldaten getötet und acht weitere verletzt worden. Die Soldaten seien bei Krematorsk in einen Hinterhalt geraten, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Mehr als 30 Aufständische hätten den Konvoi angegriffen, hieß es in Kiew. Am Sonntag hatten die Separatisten in den ostukrainischen Regionen Donezk und Lugansk umstrittene Referenden über eine Unabhängigkeit von Kiew abgehalten.

+++ Schüsse auf "Volksgouverneur" in Donezk +++

Einen Tag nach seiner Unabhängigkeitserklärung ist der „Volksgouverneur“ des ostukrainischen Gebietes Lugansk, Waleri Bolotow, bei einem Attentat verletzt worden. Sein Wagen wurde am Dienstag aus Maschinenpistolen beschossen, wie das Pressezentrum der „Armee des Südostens“ mitteilte.

Bolotow wurde, wie es in einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti weiter heißt, leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Der „Volksgouverneur“ sei außer Lebensgefahr, sagte Pressesprecher Wassili Nikitin. Bolotow hatte am Montag die Unabhängigkeit des Gebietes Lugansk von der Ukraine erklärt. Am Tag davor hatte die Bevölkerung der Region bei einem Referendum nach Behördenangaben mehrheitlich für eine unabhängige „Lugansker Volksrepublik“ gestimmt.

Seit April ist das bereits das zweite Attentat auf einen Politiker in der Ostukraine. Am 28. April wurde der Bürgermeister von Charkow, Gennadi Kernes, schwer verletzt. Kernes wurde in ein Krankenhaus in Israel gebracht und dort mehrmals operiert.

+++ Käßmann: Kirchen können Grenzen von nationalstaatlichem Denken sprengen +++

Angesichts der Ukraine-Krise schlägt die evangelische Theologin Margot Käßmann einen gemeinsamen Friedensappell von Europas Kirchen vor. In einer Rede vor Kirchenvertretern im schwedischen Lund erinnerte die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017 am Dienstag an eine ähnliche Initiative des schwedischen Erzbischofs Nathan Söderblom vor 100 Jahren nach dem
Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Damals sei der Appell bei Deutschen, Franzosen und Briten auf taube Ohren gestoßen. Heute sei die Situation anders - in der Konferenz Europäischer Kirchen etwa würden vielfältige Kontakte auch zur russisch-orthodoxen Kirche gepflegt.

Am Dienstag in der von Separatisten ausgerufenen "Volksrepublik Donetsk"
Am Dienstag in der von Separatisten ausgerufenen "Volksrepublik Donetsk"Foto: dpa

Dass die Kirchen die Grenzen von nationalstaatlichem Denken sprengen könnten, zeige auch ein Blick auf die Reformation, so Käßmann weiter. Diese sei ein europäisches Ereignis gewesen, das bald internationale Ausmaße angenommen habe. „Wir teilen dieselbe Bibel, wir respektieren uns untereinander als Brüder und Schwestern in Christus, wir glauben, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist.“ Diese gemeinsame Basis, gelte es auch politisch zu nutzen. „Wir können in dieser einen globalen Welt gegen Diskriminierung, Ungerechtigkeit und Krieg eintreten.“

+++ Kiewer Regierungschef zu Gesprächen in Brüssel +++

Der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk ist zu Gesprächen über Finanzhilfen der Europäischen Union für sein Land in Brüssel eingetroffen. Mit dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso wollte er einen
Vertrag über 365 Millionen Euro unterzeichnen. Davon soll der größte Teil für die Modernisierung des Staatsapparates ausgegeben werden. Zehn Millionen sind für die Unterstützung der Zivilgesellschaft vorgesehen. Die EU hat der Ukraine bereits Unterstützung im Wert von elf Milliarden Euro zugesagt, darunter eine Budgethilfe in Höhe von einer Milliarde Euro, die rasch ausgezahlt werden soll. Jazenjuk und Barroso wollten auch über die aktuelle Lage und die Präsidentenwahlen am 25. Mai sprechen.

+++ Hohe Schulden: Gazprom setzt Kiew unter Druck +++

Die Ukraine hat nach Einschätzung des russischen Energiekonzerns Gazprom zu wenig Gasvorräte, um problemlos über den nächsten Winter zu kommen. Das Land brauche insgesamt 18,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas in seinen Speichern, habe derzeit aber nur die Hälfte, sagte der stellvertretende Gazprom-Chef Witali Markelow am Dienstag. Im Zuge der politischen Krise in der Ukraine haben sich auch die Fronten im Gasstreit zwischen beiden Seiten wieder verhärtet. Russland besteht auf Vorkasse für künftige Lieferungen und begründet das mit unbezahlten Rechnungen.

Gasleitung bei Kiew
Gasleitung bei KiewFoto: AFP

Die Ukraine will eine Änderung des 2009 geschlossenen Vertrages, der die Abnahme einer festen Menge zu einem Preis von 485 Dollar je Kubikmeter vorsieht. Russland senkte diesen Preis vorübergehend, als der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch von einem Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (EU) abrückte, hob ihn nach Janukowitschs Sturz aber wieder an. Für russische Gaslieferungen im Juni soll die fast bankrotte Ukraine im Voraus 1,66 Milliarden US-Dollar (1,2 Milliarden Euro) zahlen, teilte der Staatskonzern in Moskau weiter mit. Russland warnt, dass bei einem Lieferstopp auch der Transit in die EU betroffen sein könnte.

+++ Grünen-Politikerin Marieluise Beck in Odessa +++

Nach Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck eine an diesem Dienstag beginnende Reise nach Odessa angekündigt. Die Sprecherin für Osteuropapolitik ihrer Fraktion will sich nach den Auseinandersetzungen der vergangenen Tage, bei denen mehr als 40 Menschen ums Leben kamen, in der südukrainischen Stadt am Schwarzen Meer ein Bild von der Lage machen, wie sie in Berlin mitteilte. In Odessa ist im Verlauf der bis zum Donnerstag dauernden Reise von Beck ein ausführliches Treffen mit der jüdischen Gemeinde vorgesehen. Weiterhin sind Gespräche mit Nichtregierungsorganisationen, Menschenrechtlern, Aktivisten und lokalen Politikern geplant.

Das brennende Gewerkschaftshaus von Odessa am 2. Mai
Das brennende Gewerkschaftshaus von Odessa am 2. MaiFoto: dpa

Am 2. Mai waren mehr als 40 im Gewerkschaftshaus eingekesselte prorussische Demonstranten verbrannt. Die prorussischen und proukrainischen Kräfte weisen sich seitdem gegenseitig die Schuld an dem Unglück zu.

65 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben