Umfrage : Große Mehrheit der Unionsanhänger für Mindestlohn

In einigen Branchen gibt es bereits Mindestlöhne, etwa am Bau oder bei Briefzustellern. Bei einer großen Mehrheit der Deutschen wächst die Zustimmung für solche Lohnuntergrenzen - sogar bei Anhängern der FDP. Nun machen die Gewerkschaften Druck auf CDU und CSU.

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Am Bau gibt es bereits Mindestlöhne. -Foto: ddp

BerlinDie Zustimmung für die Einführung von Mindestlöhnen in Deutschland wird größer. Vier von fünf Deutschen sind für solche Lohnuntergrenzen, wie aus einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervorgeht.

Die Gewerkschaften wollen die Ergebnisse der Umfrage nutzen, um CDU und CSU zum Umdenken zu bringen. IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel sagte, bei einer so großen Zustimmung in der Bevölkerung könne die Politik "nicht einfach wegschauen“. DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki mahnte, nicht nur mit Blick auf die Bundestagswahl sollten sich die "Gegner einer menschenwürdigen Entlohnung, namentlich in der CDU/CSU, überlegen, ob sie den Widerstand gegen die Einführung weiterer Lohnuntergrenzen aufrecht erhalten wollen“.

Größter Zuwachs bei den Grünen

Der Umfrage zufolge ist unter den Anhängern von CDU und CSU die Zustimmung zu Mindestlöhnen auf 81 Prozent gewachsen. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als noch im März. Am größten ist die Zustimmung unter den Anhängern der Linkspartei. Hier stieg sie um vier Prozentpukte auf 95 Prozent.

Der größte Zuwachs ist den Angaben zufolge bei den Anhängern der Grünen zu verzeichnen: Hier stieg die Zustimmung um acht Prozentpunkte auf 94 Prozent. Bei den SPD-Anhängern blieb die Zustimmung mit 83 Prozent etwa konstant. Auch die Mehrheit der FDP-Anhänger (62 Prozent) ist für Mindestlöhne, während die Partei diese ablehnt. Für die Umfrage wurden Ende Oktober 1000 Bundesbürger befragt.

Acht Branchen haben Mindestlohn angemeldet

Wiesehügel verwies darauf, dass sich am Montag der Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales mit der beantragten Aufnahme der privaten Forstwirtschaft in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz befassen wird. Die Gewerkschaft erwarte, "dass es endlich vorangeht mit der Einführung weiterer Mindestlöhne". Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) hatte sich mit den privaten Forstdienstleistern auf einen Mindestlohn von 8,50 Euro ab 1. April 2008 und 9,38 ab 1. Januar 2009 geeinigt und im März die Aufnahme in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz beantragt.

Bisher gibt es am Bau, für Gebäudereiniger und Briefzusteller Lohn-Untergrenzen. Die Koalition will weitere Branchen-Mindestlöhne über das Arbeitnehmer-Entsendegesetz sowie das Mindestarbeitsbedingungen-Gesetz ermöglichen. Einen Mindestlohn über das Entsendegesetz haben bisher acht Branchen angemeldet, darunter Zeitarbeit sowie das Wach- und Sicherheitsgewerbe. (sf/AFP/dpa/ddp)

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