Politik : Umschwärmt

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wir Stadtmenschen kennen die kleinen Käfer nur aus Schokolade, außen braune Alufolie, so groß wie ein Daumen. Im Mai flattern sie aus den Süßwaren-Abteilungen der Supermärkte zu uns nach Hause. Die Rede ist von Maikäfern. Dass die Insekten nicht so heißen, weil die Schokoladenindustrie nach den Weihnachtsmännern im Dezember und den Osterhasen im März ein neues Saisonprodukt braucht, zeigt ein Blick ins Tierlexikon. Der Melolontha hippocastani, im Volksmund auch Waldmaikäfer genannt, hat einen vierjährigen Entwicklungszyklus vom Ei über die Larve bis zum fertigen Käfer. Im Monat Mai nehmen die Käfer in der Dämmerung ihre Flüge auf - daher der .

In diesem Jahr, teilt uns das Landwirtschaftsministerium mit, wird nach drei ruhigen Jahren ein besonders starker Schwärmflug von Maikäfern erwartet. Betroffen sind vor allem Hessen, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt. Kein Grund zur Freude, klären uns die Experten des Agrarministeriums auf. Denn treten die kleinen Tierchen in Massen auf, so können sie große Schäden in den deutschen Wäldern verursachen. Schon als Larven knabbern sie Baumwurzeln an.

Früher war die Lösung bei einer Plage einfach: Gift. Doch seit diesem Jahr ist kein Pflanzenschutzmittel mehr gegen Waldmaikäfer zugelassen. Und deshalb arbeiten die Experten in den Forschungsinstituten eifrig daran, biologische Abwehrstoffe zu entwickeln. Ein entsprechendes Projekt der Europäischen Union wird zum Leidwesen des Ministeriums nicht mehr aus Brüssel weiterfinanziert. So stehen die Agrarminister den Käfern völlig hilflos gegenüber. Manchmal ist es eben auch als Politiker nicht einfach, umschwärmt zu sein. Cordula Eubel

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