Politik : Umweltpolitik: Weltbank arbeitet an neuem Konzept

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Rund zehn Jahre nach der Klimaschutz-Konferenz von Rio arbeitet die Weltbank intensiv an einer neuen Umweltpolitik. Anfang kommenden Jahres soll eine entsprechende Konzeption vorliegen. Zu diesem Zweck werden in dieser Woche erste Beratungsgespräche mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen, der Wirtschaft und Kreditwirtschaft wie mit Regierungsvertretern in Europa durchgeführt. Wie die Leiterin der Umweltabteilung der Weltbank, Kristalina Georgieva, am Mittwoch in Berlin erklärte, sollen die Zusammenhänge zwischen Umweltbelastung und Armut in den Entwicklungsländern künftig stärker herausgestellt werden. Gelegenheit gibt es dazu bereits auf der diesjährigen Herbsttagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds Ende September in Prag, bei der Armutsbekämpfung eines der zentralen Themen sein wird. Obwohl sich die Weltbank intensiv um den Austausch mit ihren Kritikern bemüht, wird mit über 10 000 Demonstranten in Prag gerechnet.

Es müsse deutlich gemacht werden, dass vor allem die armen Menschen die Leidtragenden der anhaltenden Naturzerstörung seien, sagte Georgieva. Rund 2,8 Milliarden Menschen müssten mit weniger als zwei Dollar am Tag ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie seien den Folgen der "übermäßigen" Ausbeutung der Umwelt, der Luft- und Wasserverschmutzung, der Erschöpfung von Boden-, Wald- und Fischereiressourcen hilflos ausgeliefert. Durch eine Verringerung von Umweltbelastungen und "vernünftigen" Umgang mit den natürlichen Ressourcen ließen sich die Chancen dieser Menschen verbessern.

Entscheidend für eine erfolgreiche Politik der Armutsbekämpfung wird in Zukunft außerdem sein, inwieweit es gelingt, die Entwicklungsländer in den weltweiten Wissensaustausch einzubinden. Die Armen müssten in die neuen Lerngesellschaften und Partnerschaften eingegliedert werden, sagte der Vize-Präsident der Weltbank für Europa, Jean-Francois Rischard: "Das ist eines der stärksten Mittel zur Armutsbekämpfung". Zahlen über die Internetnutzung belegten die Benachteiligung im Rahmen der Informationsrevolution. Von den 276 Millionen Menschen, die heute weltweit das Internet benutzen - was fünf Prozent der Weltbevölkerung entspricht - leben 90 Prozent in den Industrieländern. Und während in den OECD-Ländern die Infrastrukturinvestitionen pro Kopf 130 US-Dollar erreichen, liegen sie Afrika bei neun Dollar.

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