Politik : UN-Konferenz: "Holocaust rechtfertigt Unrecht nicht"

wdr

Mit einem Versöhnungsappell hat UN-Generalsekretär Kofi Annan am Freitag die UN-Konferenz gegen Rassismus eröffnet. "Gegenseitige Beschuldigungen" schadeten dem Ziel, die Lage der Opfer von Rassismus zu verbessern, sagte Annan am ersten Tag der einwöchigen Konferenz im südafrikanischen Durban. Er spielte damit auf die heftigen Auseinandersetzungen im Vorfeld der Konferenz an. Der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki rief dazu auf, den Folgen von Sklaverei, Kolonialismus und Rassismus ein Ende zu machen. Die USA und Israel entsandten erst im letzten Moment offizielle Delegationen nach Durban. Bis auf Bundesaußenminister Joschka Fischer waren kaum ranghohe Politiker der Industriestaaten nach Durban gereist.

Annan kritisierte in seiner Rede allerdings die israelische Strategie der gezielten Tötung von mutmaßlichen palästinensischen Gewalttätern. Der Holocaust dürfe nicht als Rechtfertigung für das Unrecht an den Palästinensern dienen, sagte er. Das jüdische Volk sei im Holocaust Opfer der unvorstellbarsten Gräueltaten gewesen. Deshalb sei es verständlich, dass viele Juden auf Rassismus-Vorwürfe gegenüber Israel empfindlich reagierten. "Dennoch können wir von den Palästinensern nicht erwarten, dass sie diese Tatsache als Argument dafür akzeptieren, dass das an ihnen begangene Unrecht - Zwangsumsiedelung, Besetzung, Blockaden, und nun außergerichtliche Tötungen - unbeachtet bleibt", betonte Annan. Palästinenser-Präsident Arafat nannte Israel einen rassistischen Staat, der aus ethnischen Motiven töte. Israel-kritische Formulierungen in den Tagungspapieren sowie die Forderungen einiger arabischer Länder, Zionismus mit Rassismus gleichzusetzen, hatten im Vorfeld zu heftigem Streit geführt. US-Außenminister Powell boykottiert deshalb die Konferenz. Israel entschied sich erst in letzter Minute zu einer Teilnahme.

Annan ging auch auf das Thema der Sklaverei ein, das die Konferenz ebenfalls im Vorfeld fast zum Scheitern gebracht hätte. Die afrikanischen Länder fordern eine materielle Wiedergutmachung für Sklaverei und Kolonialismus. Annan erklärte, dass die Nachwirkungen der Sklaverei anhielten und der Schmerz in der Bevölkerung noch immer zu spüren sei.

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