Politik : UN-Konferenz: Reden und Fasten

Ulrike Scheffer

Nun haben sie begonnen, die afghanischen Friedensgespräche auf dem Bonner Petersberg. Doch wie unterhalten sich vier, zum Teil rivalisierende Gruppen über die Zukunft ihres Landes? Wer spricht mit wem über was, kurz: Welche Strategie hat sich der Sondergesandte der Vereinten Nationen, Lakhdar Brahimi, zurechtgelegt, um die Konferenz zum Erfolg zu führen?

Eine festgelegte Tagesordnung gab es zumindest für den Auftakttag nicht. Bei ihrer ersten gemeinsamen Sitzung nach der Eröffnung der Gespräche legten die afghanischen Gruppen aber eine Themenliste fest, die sich an dem von Brahimi vorgeschlagenen Fünf-Punkte-Plan zur Stabilisierung und Demokratisierung des Landes orientiert.

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Danach zogen sich die Delegationen zu internen Beratungen zurück. Jede soll sich zunächst über die eigenen Verhandlungsziele klar werden, denn die Vereinten Nationen haben immer wieder betont, die Entscheidung, wer künftig in Kabul regiert, liege bei den Afghanen selbst. Deshalb nahmen Lakhdar Brahimi und sein Stellvertreter, Francesc Vendrell, nach Auskunft von Brahimis Sprecher Ahmad Fawzi am Dienstag nur zeitweise an den Gesprächen der Gruppen teil. Sie wollen Berührungspunkte der Delegationen ausloten, die dann in einem größeren Kreis oder sogar mit allen vertretenen Fraktionen diskutiert werden sollen.

Schon nach der Ankunft der ersten beiden Delegationen, jener des ehemaligen Königs Sahir Schah, auch Rom-Gruppe genannt, und den Vertretern des so genannten Zypern-Prozesses habe es erste bilaterale Kontakte gegeben, so Fawzi. Sowohl die Rom-Gruppe als auch die Peschawar-Gruppe um den gemäßigten Geistlichen Pir Sayed Gailani repräsentieren die paschtunische Bevölkerungsmehrheit. Die Abordnungen aus Rom, Zypern und Peschawar werden von Exilafghanen getragen.

Als Fürsprecher der wichtigsten Minderheiten des Landes tritt in Bonn die im Bürgerkrieg derzeit erfolgreiche Nordallianz auf. Einig sind sich alle vier Parteien, dass zunächst ein Übergangsrat mit 20 bis 25 Mitgliedern eingesetzt werden soll, der die weiteren Demokratisierungsschritte einleitet. Um die Zusammensetzung dieses Rates dürfte auf dem Petersberg jedoch hart gerungen werden - und vor allem darum, wer ihn leiten soll.

Lakhdar Brahimi wird deshalb schon bald aktiver in das Geschehen eingreifen müssen und eine aktive Vermittlerrolle einnehmen. Der Algerier setzt aber noch auf ein ganz spezielles Versöhnungsmittel: den Ramadan. Die meisten der Bonner Delegierten - auch Brahimi selbst - halten sich während der Konferenz an die moslemischen Fastenregeln. Das könnte den Widersachern ein gewisses Gemeinschaftsgefühl vermitteln. Da in der islamischen Welt außerdem nur tagsüber gefastet und am Abend umso ausgiebiger gefeiert wird, hofft Brahimi auf Verhandlungsdurchbrüche nach Sonnenuntergang.

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