"Und erlöse uns von allen Üblen" #83 : Verleger Schwarzkoff verpasst das Abendessen

Die Lüge der Polizeireporterin bringt ihren Chef in Schwierigkeiten. Die Ermittlerin triumphiert. Ein Fortsetzungsroman, Teil 83.

von
Illustration: Anna Krauss

Was bisher geschah: Die Polizeireporterin belügt die Ermittlerin über den Tatabend. Ein Richter stellt einen Haftbefehl gegen den Verleger Schwarzkoff aus.

In 100 Teilen bis zur Bundestagswahl 2017 erscheint der Politkrimi "Und erlöse uns von allen Üblen" online als Fortsetzungsroman im Tagesspiegel. Hier Folge 83 vom 6. September.

Andrea Hofwieser wählte Zartmanns Nummer in Den Haag, wollte ihn von der neuesten Entwicklung informieren. Mehr nicht, das zumindest machte sie sich vor. Lag doch nahe, nachdem sie ihn verdächtigt hatte, vielleicht ein Mörder zu sein. Würde ihn doch bestimmt interessieren als EUROPOL-Beamten. Es meldete sich nur seine Stimme auf dem Anrufbeantworter. Sie zögerte, dann legte sie auf, ohne sich zu melden und ohne eine Nachricht zu hinterlassen.

 

Susanne Hornstein ist kurz vor halb drei Uhr nachmittags wieder in der Villa Schwarzkoffs. Als ihr der Butler öffnet, fällt ihr ein, wo sie das Gesicht des Mannes schon mal gesehen hat: Der hatte in seinem roten Golf vor zwei, drei Stunden neben ihr gehalten. Fritz Seifert führt sie erneut in die Bibliothek und er fühlt sich unwohl unter dem forschenden Blick der Polizistin. Dort sitzt Schwarzkoffs Anwalt neben seinem Mandanten auf der Couch, beide flüstern miteinander, denn Krucht wirkt zwar schläfrig, aber davon lassen sie sich nicht täuschen. Als Susanne Hornstein den Raum betritt, stehen die drei Männer auf, einer von ihnen sogar aus anerzogener Höflichkeit einer Frau gegenüber. Der Anwalt stellt sich vor, vermeidet aber einen Händedruck.

"Herr Schwarzkoff", sagt die Beamtin ohne lange Vorrede und ohne spürbare Erregung, denn die jetzt folgende Floskel hat sie in dieser und jener Form schon oft gesprochen, "ich muss Sie bitten, mit uns zu kommen. Ich habe hier einen Haftbefehl gegen Sie." Legt das Formular auf Schwarzkoffs Schreibtisch. Der Verleger wird rot und fängt an zu brüllen, bevor ihn sein Anwalt stoppen kann: "Sind Sie verrückt geworden? Mich zu verhaften? Sie wissen wohl immer noch nicht, wen Sie vor sich haben? Was glauben Sie, was ich mit Ihnen machen werde! Sie sind hier nicht am Hauptbahnhof bei irgendwelchen Dealern! Ich bin Jens-Peter Schwarzkoff, verstehen Sie, Jens-Peter Schwarzkoff. Warum verhaften Sie nicht diese Schlampe, diese Andrea Hofwieser, diese ..."

Bevor er weiterbrüllen kann, gelingt es seinem Anwalt ihn dadurch zu bremsen, dass er ihm einfach eine Hand auf den Mund legt. "Mein Mandant ist verständlicherweise ein bisschen aufgeregt", sagt er, "das werden Sie verstehen. Er hat mir berichtet, was er Ihnen erzählt hat. Von dieser, ähem, von diesem durch Alkohol bedingten, ähem , Ausrutscher in der Tiefgarage, und wie er dort niedergeschlagen worden ist. Den Mann, der ihn angegriffen hat, den sollten Sie verhaften, Frau Hornstein, nicht Herrn Schwarzkoff." Blickt sie bedeutungsvoll an und zieht langsam die Hand vom Gesicht Schwarzkoffs zurück. Auch der starrt auf die Beamtin.

Susanne Hornstein nimmt eine Zigarette aus der Schachtel, ihre letzte wieder mal, und der Tag ist noch lange nicht zu Ende, lässt sich von Krucht Feuer geben und genießt das plötzliche Schweigen wie einen Sieg. Sie nimmt den ersten Zug . "Selbstverständlich haben Sie völlig recht, Herr Anwalt", antwortet sie dann ohne die Stimme zu heben, "den Mann müsste ich in der Tat verhaften, denn der Schluss liegt nahe, dass der mit dem Mord zu tun hat. Müsste ich wirklich." Der Anwalt lässt sich von dieser scheinbaren Nachgiebigkeit nicht täuschen. Er hat zu oft in seiner Karriere die besagten Pferde vor der Apotheke kotzen sehen.

"Müsste ich in der Tat", fährt Susanne Hornstein fort und nun erhebt sie die Stimme, "wenn es diesen Mann geben würde. Wenn das alles stimmen würde, was Ihr Mandant erklärt hat. Stimmt aber alles nicht. Ich komme gerade von Frau Hofwieser, dem angeblichen Opfer dieser Attacke. Sie weiß von nichts, sie kann sich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass ihr Chef sie vergewaltigen wollte. Im Gegenteil: So etwas kann sie sich bei Herrn Schwarzkoff gar nicht vorstellen, das passt, wie sie sagte, wirklich nicht zu ihm. Es gab deshalb auch keinen Überfall in der Tiefgarage, zumindest keinen, bei dem sie dabei war, nichts. Tut mir leid."

Bevor Schwarzkoff erneut losbrüllen kann, gibt sie Krucht ein Zeichen und der geht auf den Verleger zu, holt Handschellen aus seiner Manteltasche und hält die auffordernd hoch: "Brauchen wir die oder kommen Sie freiwillig mit?" Schwarzkoff ist wie paralysiert, schüttelt immer wieder mit dem Kopf, als könne er das alles nicht fassen, begleitet aber ohne weitere Gegenwehr die Beamten. Sein Anwalt folgt ihm .

"Willst du ausgehen?", fragt Julia Schwarzkoff, die gerade ankommt, als die Gruppe das Haus verlässt, und sie gibt nicht zu erkennen, dass sie Susanne Hornstein schon einmal gesehen hat. Sie tut so, als würde ihr Mann nur von ein paar Bekannten abgeholt, die er ihr nicht vorgestellt hat. Fritz Seifert steht fassungslos in der Tür, weil ihm klar ist, dass es nichts wird mit der Belohnung. Weil ihm die Polizei zuvorgekommen ist. "Wirst du zum Abendessen wieder da sein?", will Julia Schwarzkoff erneut von ihrem Mann wissen, aber der schaut durch sie hindurch, als hätte er sie noch nie im Leben gesehen. Da zuckt sie mit den Schultern und geht mit ihrem Golfbag ins Haus, ohne sich noch einmal nach ihm umzudrehen.

Schwarzkoff und Krucht fahren in dem Audi der beiden Zivilfahnder, Susanne Hornstein hat dem Anwalt angeboten, ihn in ihrem BMW mitzunehmen, aber der hat dankend abgelehnt. Folgt den beiden PKWs in seinem schwarzen Porsche. Die von Mulder geschickten Männer, die mit einem VW-Pritschenwagen an der Ecke stehen und auf Mulders Anruf zum Einsatz warten, ducken sich , als die Autos an ihnen vorbeipreschen. Seifert geht in seine Wohnung über der Garage und wählt die Nummer, die er schon auswendig weiß.

"Schwarzkoff ist gerade festgenommen worden. Ich konnte nichts mehr tun", sagt Seifert und hält den Hörer ein paar Zentimeter vom Ohr entfernt, als Mulder am anderen Ende der Leitung zu brüllen beginnt. Plötzlich scheint der Butler einen Entschluss zu fassen. "Arschloch", sagt er laut und deutlich in den Hörer, "Arschloch. Halts Maul. Ich scheiß auf dein Geld." Danach fühlt er sich so gut wie schon lange nicht mehr, geht wieder ins Haus und bittet Julia Schwarzkoff um ein kurzes Gespräch. Er habe ihr Einiges zu erzählen.

Und morgen lesen Sie: Die Reporterin und die Ermittlerin telefonieren mit dem Mörder.

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