Unep-Chef Steiner : "Kenias Tourismus lebt von der Natur"

Unep-Chef Steiner über die Folgen der Krise

Steiner
Achim Steiner ist seit 2006 Nachfolger von Klaus Töpfer bei der Unep. -Foto: dpa

Als Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) mit Sitz in Nairobi haben Sie die Unruhen in Kenia nach den Präsidentschaftswahlen vom 27. Dezember vor der eigenen Haustür erlebt. Welche Folgen hat die Krise für die Erhaltung der Nationalparks?

Kurzfristig hat sich die Krise nicht negativ ausgewirkt. Der Tourismus ist jedoch ein zentraler Bestandteil der kenianischen Wirtschaft, der wiederum stark von der Umwelt abhängig ist, den Nationalparks, den Wildbeständen, den Küstenzonen. Der Tourismus ist auch ein wichtiger Faktor, um Umweltschutz in Kenia zu finanzieren. Gelder fließen direkt in die Parks, aber auch indirekt werden Arbeitsplätze und Einkommen für die Bevölkerung geschaffen. Manche Gemeinden erzielen 90 Prozent ihres Einkommens aus dem Tourismus. Wenn sich der Tourismus nicht schnell erholt, hätte dies negative Folgen für Naturschutz und Arbeitsplätze.

Sie zeigen sich sehr präsent auf der Tourismus-Börse in Berlin (ITB). Warum?

In der Tat, ich habe mich entschlossen, mit Unep hier an der ITB teilzunehmen. Da Kenia unser Gastgeberland ist, haben wir natürlich ein direktes Interesse daran, dass Kenia schnell aus dieser Krise herauskommt. Wir wollen behilflich sein, die Aufmerksamkeit auf die künftige Entwicklung zu richten und dort die Verbindung von Umwelt, Naturschutz, wirtschaftlicher Erholung und Tourismus darzustellen. Dabei sagen wir der Welt, dass sie Kenia nicht als Reiseziel vergessen soll.

Ist es vielleicht auch eine Chance für Kenia, wenn die Touristen erneut gewonnen werden müssen, mehr auf einen nachhaltigen Tourismus zu setzen?

Es ist natürlich in unserem Interesse, sehr eng mit den kenianischen Behörden und der Tourismusindustrie zusammenzuarbeiten, damit auch in Zukunft in der Ausrichtung des Tourismus und der nationalen Umweltpolitik diese Impulse gezielter eingebracht werden können. Kenia hat sehr viel in die Nationalparks investiert und ist zu einer Ikone des Tourismus geworden. Nur ist Tourismus eine zweischneidige Sache. Er kann investiv in die Zukunft sein, oder er kann das eigene Kapital langfristig zerstören. Auch unter volkswirtschaftlichen Aspekten haben wir ein Interesse daran, die Regierung zu beraten, wie das Kapital des Tourismus, der von der Natur lebt, auch wieder in die Natur investiert wird. Dies sind langfristige Investitionen in die Zukunft des Landes.

Was glauben Sie, wie lange es dauert, bis die Touristen wieder Schlange stehen?

Ein Rückgang zwischen 60 und 90 Prozent bei internationalen Gästen in der Hochsaison ist natürlich ein gravierender Einbruch. Viel hängt davon ab, wie man die Märkte mit Informationen über die reale Situation vor Ort versorgen kann. Deshalb ist die ITB in Berlin enorm wichtig, um bei der Tourismusindustrie ein Verständnis zu schaffen, dass Kenia nicht mehr in der Lage ist, in der es noch vor vier Wochen war. Aufgrund von Erfahrungen wie auf Bali lässt sich sagen, dass es mindestens ein bis zwei Jahre dauern wird, bis man wieder auf das ursprüngliche Niveau kommt. Nun haben wir in Kenia den Vorteil, dass es kein Terroranschlag war, sondern ein politischer Konflikt, der jetzt gelöst ist. Es wurde ein Reformprogramm verabschiedet. Wird dieses umgesetzt, ist die Krise eine Chance für die Zukunft Kenias, denn damit werden Probleme angegangen, die seit Jahren schwelen und ja auch Auslöser für die Gewalt waren.

Unep war die erste UN-Sonderorganisation mit Sitz in einem Entwicklungsland. Bleiben Sie?

Die symbolische und politische Rolle ist enorm wichtig, vor allem für Entwicklungsländer. Nicht nur für das Gastland, sondern für ganz Afrika. Sollte der Sitz nicht länger tragbar sein, hätte es politische Folgen weit über Kenia hinaus. Unsere Präsenz in Kenia steht nicht zur Diskussion, wenn die politischen Bedingungen und die Stabilität vorhanden sind.

Das Interview führte Alexander Glodzinski.

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