Politik : UNHCR beklagt sich über wählerische Flüchtlinge

GENF/BERLIN (revi).Inzwischen sind fast eine Million Menschen aus dem Kosovo geflüchtet oder vertrieben worden.Viele Flüchtlinge in den überfüllten Lagern behinderten jedoch mit detaillierten Ausreisewünschen zunehmend die Hilfe in den Grenzregionen, beklagte das UN-Flüchtlingswerk UNHCR am Donnerstag in Genf.Weil die Menschen immer wählerischer würden und fast alle Flüge nach Deutschland oder in die Schweiz wünschten, hätten mehrere Flüge etwa nach Rumänien gestrichen werden müssen.Wie die Internationale Organisation für Migration mitteilte, werden viele Flüchtlinge von Schleppern angesprochen, die ihnen eine Schiffsreise nach Italien verkaufen wollten.

Nach UNHCR-Angaben sind inzwischen mehr als 981 000 Menschen aus dem Kosovo geflohen oder vertrieben worden.Rund 782 000 von ihnen seien in den Nachbarländern Albanien, Mazedonien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina.Aus Mazedonien seien 75 000 Flüchtlinge in andere Länder gebracht worden.Weitere rund 124 000 Kosovo-Flüchtlinge hätten bereits vor Beginn der Nato-Bombardements im März Zuflucht im Ausland gefunden.

Dem albanischen Nato-Botschafter Kuko zufolge versuchen serbische Truppen derzeit, "die Spuren ihrer Verbrechen und Massaker" auszulöschen.Ferner verminten sie viele Dörfer und Straßen im Kosovo.Die UN-Delegation, die im Kosovo unterwegs war, betonte in New York, sie habe Beweise für gezielte Gewalttaten gesammelt.Unterdessen konnten erstmals über eine private Hilfsorganisation Pakete mit Lebensmitteln für hungernde Flüchtlinge im Kosovo abgeworfen werden.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe stellt sich derweil bei der Organisation ihrer Arbeit in den Lagern auf den Winter ein.In Ulcinj in Montenegro werde damit begommen, für 1000 Menschen mobile Holzhäuser zu bauen, sagte der Kosovo-Sonderbeauftragte der Johanniter, Ludwig, in Berlin.Die Häuser könnten später problemlos abgebaut und ins Kosovo transportiert werden.In den Grenzgebieten Mazedoniens zu Serbien sollen alte Häuser aufgebaut werden.Dort könnten Familien unterkommen, die Kinder aufnehmen, deren Eltern getötet wurden oder verschwunden sind.Ludwig betonte, die Johanniter seien bei der Verteilung von Hilfsgütern an Gastfamilien auf die Unterstützung der orthodoxen Kirche angewiesen.Die Kirche vor Ort wisse genau, wo es Hilfsbedürftige gebe.

Sowohl der Bundesarzt der Johanniter-Unfall-Hilfe, Wilms, als auch die Leiterin des Berliner Büros von "Ärzte ohne Grenzen", Schmitz, warnten vor dem Ausbruch von Epidemien in den Lagern.Sie bereiten ihre Mitarbeiter auf schnelle Hilfsmaßnahmen im Fall von Typhus, Tuberkulose, Hepatitis C und Cholera vor.Die Johanniter organisieren auf Bitten des Serbischen Roten Kreuzes auch einen Hilfskonvoi mit Medikamenten und Verbrauchsgütern nach Belgrad.

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