Politik : Unicef: Gegen Aids wird zu wenig getan

Nur jedes zehnte Kind erhält Medikamente / 20 Millionen Waisen bis 2010?

Jan Dirk Herbermann[Genf]

Jede Minute steckt sich ein Kind mit dem Aidsvirus an; insgesamt leiden 2,3 Millionen Mädchen und Jungen unter 15 Jahren an der unheilbaren Krankheit – doch die Staatengemeinschaft führt den Kampf für die kleinen Patienten nicht mit der nötigen Energie. So jedenfalls urteilt das Kinderhilfswerk Unicef in seinem neuesten Aidsbericht, der am Dienstag in Genf und Köln erschien.

„Im Kampf gegen Aids werden Kinder bis heute benachteiligt“, klagt Dietrich Garlichs, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. „Obwohl die Preise für Medikamente gefallen sind, erhalten die meisten betroffenen Kinder in den Entwicklungsländern immer noch keine ausreichende medizinische Hilfe. Für viele kommt dies einem Todesurteil gleich.“ Tatsächlich: Nur eins von zehn aidsinfizierten Kindern wird mit lebensverlängernden ARV-Medikamenten versorgt. „Die anderen stehen vor einer trüben Zukunft, sie leben nicht lange“, schreiben die Experten von Unicef. Im vergangenen Jahr starben schätzungsweise 380 000 Kinder im Zusammenhang mit der Krankheit; viele der jungen Opfer steckten sich schon während der Schwangerschaft bei ihren aidsinfizierten Müttern an.

Kinder verstorbener HIV-positiver Eltern stehen zumal in Entwicklungsländern am Rande der Gesellschaft: Aidswaisen leiden oft unter Armut, mangelnder Bildung und psychischen Krankheiten wie der Depression. Insgesamt, so schätzt Unicef, haben mehr als 15 Millionen Mädchen und Jungen mindestens einen Elternteil durch Aids verloren. Im Jahr 2010, so fürchtet die Organisation, wird es 20 Millionen Aidswaisen geben.

Hilfe für die Opfer soll das Programm „Vereinigt für Kinder, vereinigt gegen Aids“ bringen. Unicef und die Anti-Aids-Agentur der Vereinten Nationen, Unaids, gründeten 2005 das Programm. Das Ziel: Bis 2010 sollen die medizinische Versorgung der kleinen Aidspatienten und die Aidsprävention vor allem in den armen Ländern deutlich besser werden. Nur: Unicef kritisiert die weltweite Unterstützung für das Programm als „tragisch unzureichend“. Insgesamt rechnen die Macher von „Vereinigt für Kinder, vereinigt gegen Aids“ mit Kosten in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar für das Projekt. Ob Regierungen und private Geber das Geld bereitstellen, ist fraglich. Unicef etwa plant, eine Milliarde US-Dollar für „Vereinigt für Kinder, vereinigt gegen Aids“ zu sammeln. Bislang aber hat das Kinderhilfswerk nur 100 Millionen US-Dollar für das Programm zusammengebracht.

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