Politik : Unmut über Seehofers Schelte Parteikollegen sprechen von „Mobbing“

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München - Selbst die loyalsten Anhänger von Horst Seehofer können in dieser Adventswoche die Sache nicht mit einem Schulterzucken quittieren. Georg Schmid, CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, wird von den Abgeordneten beauftragt, ihren Unmut an den in Berlin weilenden Ministerpräsidenten weiterzutragen. Schmid, einer der ergebensten Gefolgsleute Seehofers, erledigt dies. Denn Bayerns Frontmann hat gegen das eigene Personal geätzt, wie man es eigentlich nicht für möglich halten würde.

Beim vier Stunden dauernden Weihnachtsessen mit Journalisten am Montagabend hat der CSU-Chef, von Tisch zu Tisch ziehend, auf derbste Weise über seine nicht anwesenden Untergebenen abgelästert. Markus Söder sei nicht nur „vom Ehrgeiz zerfressen“, sondern leide zudem an „charakterlichen Schwächen“. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geriere sich in Berlin als „Zar“, dessen Staatssekretär werde erst einmal ein „Praktikum in der Politik“ empfohlen. Die JU-Vorsitzende Katrin Albsteiger habe das Motto von der CSU als „Mitmach-Partei“ gründlich missverstanden. Und Karl- Theodor zu Guttenberg sei nurmehr „ein Glühwürmchen“.

Finanzminister Markus Söder, das größte Opfer, zieht ansonsten freudig in jeden Streit. Doch nun zeigt er sich wortkarg, blass und sichtbar getroffen. Das feierliche Landtags-Weihnachtsessen am Dienstagabend ließ der Finanzminister ganz ausfallen. Bisher fand man es auch in der CSU oft recht amüsant, wenn der Parteichef sich über den einen oder anderen Emporkömmling lustig machte, ihn stutzte – oder sie.

So sieht das weiterhin Katrin Albsteiger, Chefin der Jungen Union: „Es gibt in Bayern eine spezielle Kommunikationsform – den Grant. Das ist kein Anlass, beleidigt zu sein.“ Weiter ist aus JU-Kreisen zu hören, dass man ganz froh sei, noch recht glimpflich weggekommen zu sein. „Was Seehofer mit seinen Ministern macht, ist nicht unserer Sache“, heißt es.

Andere aber reden ganz anders. Allerdings nur hinter vorgehaltener Hand und wenn ihr Name nicht erwähnt wird. Von „Mobbing“ ist die Rede, „unanständigem Stil“ und einem „Klima der Angst“. Nur wer aus Altersgründen nichts mehr zu verlieren hat, ist offener. Die einstige Familienministerin Christa Stewens etwa kritisierte Seehofers Vorgehen, das „den Zusammenhalt nicht stärkt“. Der Nürnberger Abgeordnete Hermann Imhof tritt am weitesten nach außen. Er wirft Seehofer „Sonnenkönigsallüren“ und illoyales Verhalten vor. Teils wird verlangt, der Regierungschef solle sich entschuldigen. Patrick Guyton

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