Unruhen in der Arabischen Welt : Proteste auch in Syrien und Jemen

Die Unruhen in der arabischen Welt haben Syrien erreicht. Etwa 150 Menschen demonstrierten am Mittwoch in der Hauptstadt Damaskus vor dem Innenministerium. Auch im Jemen gab es Proteste.

Sicherheitskräfte und Polizisten in Zivil gingen nach Angaben eines Reuters-Augenzeugen mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. Es kam zu mindestens 14 Festnahmen. Unter ihnen soll der führende politische Aktivist Suhair al-Attasi sein. Er hatte gesagt, auch die syrischen Behörden würden in den Sog der Tumulte nach dem Vorbild Tunesiens oder Ägyptens kommen, solange die Führung Reformen ablehne. Insbesondere müsse das Land das politische System öffnen und freie Meinungsäußerung zulassen.

Die Versammlung auf dem Mardscheh-Platz im Zentrum von Damaskus verlief schweigsam. Die Demonstranten hielten lediglich Bilder ihrer inhaftierten Verwandten und Freunde hoch, bevor sie von den syrischen Kräften mit Schlagstöcken angegriffen wurden. “Das hier ist Chaos“, rief eine Einsatzkraft. “Nein, das ist ein friedlicher Protest“, entgegnete ein Demonstrant. Durch den Einsatz der syrischen Polizei wurde die Versammlung aufgelöst. Die Festnahmen sollen darüber hinaus weitergegangen sein.

Seit dem Beginn von Massenprotesten in Nordafrika haben die syrischen Behörden ihre Kampagne gegen regimekritische Schriftsteller und Oppositionsanhänger intensiviert. Am Dienstag hatten sich erstmals einige wenige Menschen kurz auf die Straße gewagt und riefen politische Slogans gegen die regierende Baath-Partei.

Präsident Baschar al-Assad folgte seinem Vater vor elf Jahren in das Spitzenamt. Er ist zugleich Chef der Baath-Partei, die seit 1963 an der Macht ist. Im Januar gab er bekannt, dass die Führung des Landes sehr eng mit den Wünschen und Ansichten des Volkes verbunden sei. Nach Einschätzung von Human Rights Watch zählt Syrien zu den Ländern mit den größten Verstößen gegen die Menschenrechte.

Auch im Jemen gingen die Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Demonstranten vor. Hier wurden nach Angaben von Ärzten und Augenzeugen mindestens 150 Menschen verletzt. In der Stadt Hudaida am Roten Meer hatten sich Menschen versammelt und ein Ende der Präsidentschaft von Ali Abdullah Saleh gefordert. Dieser regiert seit 32 Jahren. Die Proteste in dem Nachbarland Saudi-Arabiens dauern schon seit Wochen an. Die Sicherheitskräfte setzten auch Tränengas, Gummigeschosse und Schlagstöcke ein. Das örtliche Krankenhaus habe seine Kapazitätsgrenze erreicht, sagte ein Augenzeuge.

Als Zeichen einer weiteren Eskalation der Gewalt im Jemen gab es zudem einen offenbar gezielten Angriff auf Frauen. In der Stadt Tais, rund 200 Kilometer südlich von Sanaa, soll die Polizei auf Frauen eingeschlagen haben. Elf seien verletzt worden, sagte ein Anhänger der Opposition. (rtr)

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