Politik : Unschön

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Oh je, welch heikles Thema! Schönheit und Politik! Und die Frage, ob es da eine Korrelation gibt, also: Je schöner, desto erfolgreicher in der Politik. Oder eben das Gegenteil. Haben die Italiener nicht Pornodarstellerinnen ins Parlament gewählt? Haben die Amerikaner nicht Schauspieler ins Weiße Haus gehievt? Will Schwarzenegger jetzt nicht Reagan folgen? Allesamt Menschen, denen viele zubilligen würden, sie seien zumindest attraktiv! Alt ist die Frage, ob Abraham Lincoln heute noch US-Präsident werden könnte, denn schön war der nun wirklich nicht. Vielleicht ist es ganz einfach.

Die Deutschen sind besonders freundlich im Umgang mit jenen, die „esthetically challenged“ sind, also „ästhetisch herausgefordert“, wie das einmal in Amerika hieß. Strauß, Kohl, Wehner: das waren Typen, Charaktere, aber nun wirklich keine Schönlinge. Offenbar gibt es Politiker, die diesbezüglich auf das Gesetz der Folge hoffen. In Deutschland müsse ein erfolgreicher Politiker „nicht im ästhetischen Sinne schön sein“, hat Roland Koch, Christdemokrat aus Hessen, jetzt der „Zeit“ gesagt. Wichtiger sei das Image: „Man muss wissen, wofür derjenige steht.“

Es handelt sich hier wohl um eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Roland Koch hofft, dass ästhetisch eher unschöne Politiker – man tritt ihm nicht zu nahe, wenn man ergänzt: wie er – auch künftig prächtige Chancen haben. Das sei ihm gegönnt. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Kohl war ja nun wirklich erfolgreich, was Macht und deren Erhaltung angeht. Wir fordern also: Gleicher Erfolg für schöne Politiker! Die Björn Engholms und Laurenz Meyers dürfen nicht länger scheitern oder in der zweiten Reihe ausharren!

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