Unter Putins Schutz : Wo ist Viktor Janukowitsch?

Der am Wochenende vom Parlament in Kiew abgesetzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch ist auf der Flucht. Was ist über seinen derzeitigen Aufenthaltsort bekannt?

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Alte Freunde. Wladimir Putin und Viktor Janukowitsch
Alte Freunde. Wladimir Putin und Viktor JanukowitschFoto: dpa

Moskau hat den entmachteten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch inoffiziellen Angaben zufolge aufgenommen und ihm Schutz gewährt, meldet die staatsnahe Moskauer Nachrichtenagentur RIA nowosti und beruft sich dabei auf russische Regierungskreise. Demzufolge hat Janukowitsch die russischen Behörden ersucht, seine „persönliche Sicherheit zu gewährleisten“. Dieser Bitte sei „auf russischem Territorium entsprochen worden“. Wo er sich genau befindet, ist nicht bekannt. Auch Janukowitsch selbst, der sich am Donnerstag über drei russische Nachrichtenagenturen an das ukrainische Volk wandte, vermied Äußerungen, die auf seinen derzeitigen Aufenthaltsort schließen lassen könnten. Auch seine beiden Söhne, die profitable ukrainische Unternehmen kontrollieren, sollen bereits in Russland sein.

Der 2010 gewählte Janukowitsch war am Samstag aus der Hauptstadt Kiew geflohen. Vergeblich versuchte er anschließend, aus der Stadt Donezk im Osten der Ukraine und nahe der Grenze zu Russland mit einem Flugzeug ins Ausland zu entkommen. Danach floh er mit einigen Leibwächtern in einem Auto an einen unbekannten Ort. Russische Medien verorteten ihn zunächst auf der Krim, wo ihm ein befreundeter Unternehmer seine Luxusresidenz zur Verfügung gestellt haben soll. Später hieß es, er verstecke sich in einem Sanatorium bei Moskau. Moskau hatte schon 2005 dem gestürzten Präsidenten der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Kirgisistan Zuflucht in einer Staatsdatscha vor den Toren der russischen Hauptstadt gewährt.

In seinem Appell an das ukrainische Volk erklärte Janukowitsch, er betrachte sich weiter als legitimen Präsidenten und werde bis zum Ende für die Umsetzung der Kompromissvereinbarung kämpfen, die er mit der Opposition unter Vermittlung von Bundesaußenminister Frank- Walter Steinmeier (SPD) und dessen Amtskollegen aus Polen und Frankreich Ende letzter Woche unterzeichnet hatte. Die Ukraine müsse „unverzüglich“ wieder in ihre verfassungsmäßige Ausgangslage zurückkehren. Mit Blick auf die Vorgänge auf der Schwarzmeerhalbinsel Krim erklärte Janukowitsch: „Es zeigt sich gerade jetzt, dass die Menschen im Südosten der Ukraine und auf der Krim Anarchie und De-facto-Gesetzlosigkeit im Land nicht hinnehmen, wenn Minister von einer Menge auf einem Platz ausgewählt werden.“

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