Politik : Untergang der "Kursk": Putin: Ich fühle mich schuldig

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Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach zehntägiger heftiger Kritik an seinem Verhalten erstmals die politische Verantwortung für die Katastrophe des gesunkenen Atom-U-Bootes "Kursk" übernommen. Er sagte am Mittwochabend in einem Interview des staatlichen Fernsehsenders RTR: "Auch wenn ich erst etwas mehr als 100 Tage in diesem Kabinett im Kreml sitze, fühle ich vollständige Verantwortung und Schuld für die Tragödie." Putin sprach sich gegen Entlassungen in der Militärspitze vor einer vollständigen Aufklärung des Unglücks aus.

Deshalb habe er die angebotenen Rücktritte von Verteidigungsminister Igor Sergejew, Marinekommandeur Wladimir Kurojedow und Nordflotten-Chef Wjatscheslaw Popow vorläufig abgelehnt.

Nach dem Untergang der "Kursk" mit 118 Mann Besatzung am 12. August in der Barentssee war Putin in Russland heftig kritisiert worden, weil er seinen Urlaub am Schwarzen Meer nicht abgebrochen hatte. Außerdem habe er westliche Hilfe zu spät akzeptiert, hieß es. Dies hielten ihm auch die Hinterbliebenen der toten Seeleute vor, deren Zorn sich Putin sich erstmals am Dienstagabend bei einem Treffen in der nordrussischen Marine-Basis Widjajewo stellte. Die Familien erklärten, für sie seien die vermissten Seeleute solange lebendig, bis sie aus dem Wrack auf dem Grund der Barentssee geborgen würden. Damit zwangen sie Putin, eine Trauerfeier auf hoher See an Bord des Raketenkreuzers "Pjotr Weliki" am Mittwoch abzusagen. Der Präsident, der für ganz Russland Staatstrauer angeordnet hatte, kehrte nach Moskau zurück.

Putin erklärte im Fernsehen, das Unglück werde von einigen Kräften "gewissenlos" ausgenutzt. Zu den ersten Fürsprechern der Matrosen hätten sich diejenigen aufgeschwungen, "die die ganze Zeit zum Zerfall der Armee und des Staates beigetragen haben". Näheres sagte er nicht, aber in Regierung und Militär verstärkte sich am Mittwoch die Schelte für die kritische Berichterstattung der russischen Presse.

"Die Massenmedien haben eine breite Kampagne eingeleitet, die sich gegen die Kriegsmarine und besonders gegen ihr Kommando richtet", erklärte die Pressestelle der russischen Seestreitkräfte. Die von der Marine mitgeteilten Informationen seien von Journalisten und angeblichen Experten als "Unwahrheit" oder "Lüge" bezeichnet worden. Außenminister Igor Iwanow kritisierte, die Presse schaue zu sehr auf das Ausland.

Das russische Unternehmen Rubin, dass die "Kursk" entwickelt hatte, wurde beauftragt, einen Plan zur Bergung des gesamten U-Bootes auszuarbeiten. Das Projekt solle in zwei Wochen vorgestellt werden, sagte der russische Konsul in der nordnorwegischen Stadt Kirkenes, Wassili Kowal. Umweltschützer warnen vor möglicher radioaktiver Verseuchung der Barentssee.

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