Politik : Unterschätzt, aber erfolgreich

Christoph Schmidt Lunau

Wiesbaden - Gerhard Schröder hat sie erst richtig bekannt gemacht, als er ärgerlich klarstellte, von „diesen Ypsilantis“ lasse er sich die Agenda 2010 nicht schlecht reden. „Ypsi-wer?“ fragte der „Spiegel“. Auf dem SPD-Parteitag in Hanau dürfte Andrea Ypsilanti mit großer Mehrheit in ihrem Amt als hessische Landesvorsitzende bestätigt werden. Auch „der Franz“ kommt. Seit ihr mit Müntefering die soziale Balance der SPD- Politik wiederhergestellt zu sein scheint, hat die hartnäckige Agenda-Kritikerin ihren Frieden mit „denen in Berlin“ gemacht.

Hessens Genossen haben früh auf die Bürgerversicherung gesetzt, die inzwischen Programm geworden ist. Nach den hart umkämpften Nachbesserungen hat auch Ypsilanti Hartz IV zugestimmt, nicht ohne kritische Fußnote: Dass ältere Arbeitslose, die 30 Jahre lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, mit Sozialhilfeempfängern gleichgestellt werden, findet sie ungerecht.

Ihr Vater war „Opelaner“ in Rüsselsheim, sie selbst hat als Sekretärin und Stewardess gearbeitet. „Ich war Arbeiterkind, und das bleibt man irgendwie“, sagt sie. Nach Abitur und Studium war sie Grundsatzreferentin bei Ministerpräsident Eichel. Nach der „grandiosen Wahlniederlage“ der SPD mochte kein anderer für den Landesvorsitz antreten. Weil sie keine rhetorischen Glanzlichter setzt, wurde die neue Vorsitzende unterschätzt. Anders als ihre mächtigen Vorgänger trotzte sie jedoch den einflussreichen Bezirksvorsitzenden das politische Mandat ab. Der Landesverband wurde auch organisatorisch gestärkt. Der dramatische Mitgliederschwund und die undankbare Rolle als eine von drei Oppositionsparteien im hessischen Landtag machen der SPD in ihrem Stammland zwar zu schaffen. Mit weit reichenden Reformvorschlägen zur Regional- und Bildungspolitik versucht Ypsilanti indes, die Landespartei auf Erfolgskurs zu bringen.

Auch wenn die Mutter eines achtjährigen Sohnes, die, weil sie kein Staatsamt hat, ihre 60 000 Dienstkilometer jährlich selbst chauffiert, manchmal über den harten Job stöhnt: Sie hat Spaß an der Macht. Ob sie gern an Roland Kochs Stelle in die neue Staatskanzlei einziehen möchte? „Was ich davon gesehen habe, gefällt mir“, sagt sie lächelnd. Aber: „Diese Personalie der SPD wird frühestens 2007 entschieden.“

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