Unterstützung für die CSU : Merkels Wahlkampfpremiere in Bayern

Am Mittwoch hatte Franz Müntefering seinen Auftritt im bayerischen Landeswahlkampf – am Donnerstag zog Angela Merkel nach. Statt München suchte sie sich dafür Neu-Ulm aus. Auch wenn ihr selbst das selbst zu Beginn ihrer Rede nicht ganz klar zu sein schien.

Thomas Heckmann[ddp]
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Seltener Besuch: Eine Regierungschefin in Neu-Ulm -Foto: dpa

Neu-UlmBegleitet von Bayerns Justizministerin Beate Merk und dem Europaabgeordneten Markus Ferber (beide CSU) kam die Kanzlerin, aus Stuttgart kommend, in Neu-Ulm an, um vor rund 3000 Zuhörern unter freiem Himmel für die CSU zu werben. Die Landesgartenschau öffnete für Merkel und ihre Zuhörer die Tore ohne das übliche Eintrittsgeld. Der ursprünglich angedachte Veranstaltungsort, der Petrusplatz in der Innenstadt, hatte sich schon in der Planung als zu klein erwiesen.

Gleichsam als Verkörperung der großen Koalition, im schwarz-roten Hosenanzug, trat Merkel hinter das Rednerpult. Ihr Ziel: die Neu-Ulmer zur Wahl der Schwesterpartei CSU bei der bevorstehenden Landtagswahl am 28. September zu bewegen. Immer wieder pries Merkel die CSU-Politik als vorbildhaft für die Bundespolitik. Bayerische Schüler haben nach Merkels Meinung bessere Chancen, weil sie eine bessere Bildung bekommen. Und sie könne auch gut verstehen, dass immer mehr Menschen nach Bayern ziehen wollten. Der Verzicht auf neue Schulden, Verantwortung für die kommenden Generationen, ein leistungsfähiges Gesundheits- und ein sicheres Rentensystem waren die weiteren Themen, mit denen die Kanzlerin ihre Rede bestritt.

Die Sache mit Napoleon

Den größten - wenn auch unbeabsichtigten - Lacher erntete Merkel schon in der Begrüßung, als sie mit Blick auf die zahlreichen politischen Gäste von den "Kandidaten aus Ulm" sprach, anstatt von "Neu-Ulm". Seit der Teilung von Ulm und Neu-Ulm durch Napoleon läuft durch die beiden Städte auch die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg - und die Ulmer bezeichnen als "das Schönste von Neu-Ulm" den Blick auf Ulm. In diese Rivalitätsfalle tappte Merkel voll hinein, doch sie redete tapfer weiter.

Die Kanzlerin betonte den Wert des Ehrenamtes und erwähnte als Beispiele Sportvereine, Musik und Traditionspflege. Als dann strömender Regen einsetzte und die Kanzlerin von der Bühne nur noch in Hunderte von Regenschirmen blicken konnte, griff sie Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti scharf an. Sie stelle sich die Frage, wie Ypsilanti Kindern den Wert von Ehrlichkeit erklären wolle, wenn sie doch mit der beabsichtigten Zusammenarbeit mit der Linken ihre eigenen Versprechen so unverhohlen breche.

Zehn Jahre nach dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) war mit Merkel wieder einmal ein Regierungschef in Neu-Ulm. Doch viel Zeit hatte sie nicht mitgebracht. Ein kurzer Eintrag noch in das Goldene Buch der Stadt und schon eilte Merkel im Regen zu ihrer Limousine. Die brachte sie zum Volksfestplatz, von wo es per Hubschrauber nach Schweinfurt weiterging. Dort lief zu diesem Zeitpunkt bereits die zweite Wahlkampfveranstaltung des Abends, auf der die Bundeskanzlerin ebenfalls als Hauptrednerin erwartet wurde.

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