Urananreicherung : Iran informiert über Bau einer zweiten Uranfabrik

Kurz vor dem lange erwarteten Treffen zwischen Iran und den fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates sowie Deutschland hat Iran mitgeteilt, dass er eine zweite, bisher unbekannte Urananreicherungsanlage baut.

Andrea Nüsse

BerlinDie Atomenergiebehörde in Wien (IAEA) bestätigte am Freitag, dass Iran am Montag in einem Schreiben darüber informierte. Demnach soll in der Anlage nach Fertigstellung Uran bis zu fünf Prozent angereichert werden. Für Atomwaffen ist eine höhere Anreicherung notwendig. In „angemessener Zeit“ wolle das Land weitere Angaben machen, hieß es. Die IAEA muss informiert werden, sobald eine Entscheidung zum Bau von Nuklearanlagen gefallen ist.

Nach Angaben der „New York Times“ ist der Bau dieser zweiten Anlage zur Urananreicherung den USA schon länger bekannt. US-Präsident Barack Obama soll darüber zu Beginn seiner Amtszeit informiert worden sein. Die USA sollen am Rande der UN-Vollversammlung Vertreter der Sechsergruppe über den Bau dieser Anlage gebrieft haben. Wie die USA von der Anlage, die nach anderen Quellen in der Nähe der heiligen Stadt Qom liegen soll, erfuhren, ist unbekannt. Obama warf dem Iran allerdings am Rande des G-20-Gipfels in Pittsburgh am Freitag vor, er habe diese zweite Anlage jahrelang verheimlicht, und forderte Teheran auf, IAEA-Inspekteuren umgehend Zutritt zur neuen Anlage zu geben. Bisher ging der Atomstreit mit Iran um die eine Anlage in Natanz, wo mehrere tausend Zentrifugen Uran anreichern, obwohl der UN-Sicherheitsrat in mehreren Resolutionen gefordert hatte, das Programm einzustellen.

Die neue Entwicklung könnte weitreichende Folgen für die zum 1. Oktober geplanten neuen Atom-Gespräche haben, an denen erstmals auch die USA teilnehmen werden. Denn damit scheint Iran in die Defensive gedrängt. Das bisherige Atomprogramm, das nach Angaben Irans ausschließlich der zivilen Energiegewinnung dienen soll, war 2002 erst durch Enthüllungen der Exil-Opposition bekannt geworden. Die Zweifel am zivilen Charakter werden unter anderem damit begründet, dass Iran das Programm lange geheim gehalten hatte.

Obamas Strategie nimmt Form an. Iran will bei den Gesprächen zwar nur allgemein über die Nichtverbreitung von Nuklearmaterial sprechen. Doch Obama legt systematisch die Grundlagen dafür, dass selbst Russland und vielleicht auch China neuen Sanktionen gegen Iran zustimmen könnten. So hatte er vorige Woche auf den Raketenschirm in Osteuropa verzichtet, den Russland als bedrohlich empfand. Im Gegenzug hatte Moskau erstmals weiteren Druck auf Iran nicht ausgeschlossen. Mit dem Plan zur Abschaffung von Atomwaffen, von der UN-Vollversammlung angenommen, unterstreicht Obama die Glaubwürdigkeit der Atommächte, ihre Arsenale abzubauen. mit AFP

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