Politik : Urlauber in Mali gekidnappt

Ralph Schulze
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Bamako/Madrid - Sie wollten eine zehntägige Wüstentour durch die Sahara Malis und Nigers machen. Doch am vierten Tag endete der Abenteuertrip mit einem Albtraum: Der Geländewagenkonvoi mit sieben europäischen Touristen wurde im Nordosten Malis unweit der nigerianischen Grenze überfallen, vier Urlauber wurden verschleppt: eine Deutsche, zwei Schweizer und ein Brite. Drei weitere Wüstentouristen konnten entkommen.

Die Regierungen in Berlin, Bern und London setzten derweil diplomatische Krisenstäbe, Antiterrorexperten und Geheimdienste in Bewegung, um gemeinsam weitere Informationen über die Geiselnahme zu erhalten und die baldige Freilassung der Touristen zu erreichen. Es wird nicht ausgeschlossen, dass islamistische Extremisten hinter der Tat stecken. Aber auch eine Verwicklung von Tuareg-Rebellen gilt als möglich.

In der Region wurden vor einem Monat bereits zwei kanadische UN-Diplomaten entführt. Vermutlich von islamistischen Extremisten aus dem Umfeld vom nordafrikanischen Al-Qaida-Flügel, der das unübersichtliche Grenzland zwischen Mali, Niger und Algerien weitgehend ungehindert als Rückzugsgebiet nutzt. Im vergangenen Jahr waren zwei Österreicher von Al-Qaida-Terroristen acht Monate lang im Nordosten Malis gefangen gehalten worden.

Werner Gartung, Chef des betroffenen deutschen Tourveranstalters „Oase-Reisen“, glaubt, dass es „höchstwahrscheinlich Lösegeldforderungen“ geben wird. Auch die beiden österreichischen Wüstentouristen, die 2008 von Tunesien nach Mali verschleppt worden waren, kamen offenbar gegen ein millionenschweres Lösegeld frei. Genauso wie jene 14 europäischen Geiseln, die im Sommer 2003 nach monatelanger Odyssee von islamistischen Extremisten ebenfalls in Nordmali freigelassen wurden.

Das deutsche wie das Schweizer Außenministerium weisen auf „Sicherheitsprobleme“ in der Region hin. Das deutsche Außenministerium warnt: Im Grenzgebiet Mali-Niger-Algerien „kann für Bürger westlicher Staaten das Risiko von Entführungen und Erpressungen nicht ausgeschlossen werden“. Ralph Schulze

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