Ursula von der Leyen und ihr Personal : Eine Rüstungsstaatssekretärin von McKinsey?

Im Februar hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ihren Rüstungsstaatssekretär Beemelmans entlassen. Zur Nachfolgerin könnte eine Unternehmensberaterin werden.

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Vor schwieriger Entscheidung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat noch einen sehr wichtigen Staatssekretärsposten zu vergeben.
Vor schwieriger Entscheidung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat noch einen sehr wichtigen Staatssekretärsposten zu...Foto: dpa

Die Stelle gilt als eine der wichtigsten im Verteidigungsministerium, und sie ist seit zwei Monaten vakant. Doch nun gibt es erste, ganz konkrete Personalspekulationen. Nach übereinstimmenden Medienberichten gilt die Unternehmensberaterin Katrin Suder als Favoritin für die Nachfolge von Stéphane Beemelmans auf dem Posten des für Rüstung zuständigen beamteten Staatssekretärs.

Die 42-Jährige ist bei der Beratungsfirma McKinsey verantwortlich für Projekte im öffentlichen Sektor. Und die gelernte Physikerin kennt sich offenbar bestens aus im Regierungsapparat. Suder habe bereits mehrere Studien über den drohenden Fachkräftemangel für Ministerien und die Verwaltung verfasst, berichtete „Spiegel Online“. Außerdem sei sie keine Unbekannte für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und mit dieser, als sie noch Arbeitsministerin war, mehrmals aufgetreten. Das Verhältnis zueinander sei „fast freundschaftlich“.

Entscheidung erst im Sommer

Das Ministerium bestritt jegliche Vorfestlegung. Über die Besetzung werde erst im Sommer entschieden, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Bis dahin beteilige man sich nicht an Personalspekulationen.

Intern hieß es, dass manches für Suder spreche, es aber auch zwei gewichtige Gründe gegen ihre Berufung gebe. Zum einen habe die zweifache Mutter keinerlei Erfahrungen mit dem Rüstungssektor. Wenn sie den Posten erhielte, wäre dies ein enormes Wagnis für die ebenfalls noch unerfahrene Ministerin. Zum andern könnte eine solche Besetzung zur Interessenkollision mit Suders bisherigen Arbeitgeber führen. Leyen hatte bei ihrem Amtsantritt angekündigt, das Rüstungswesen durch externe Berater ausgiebig durchleuchten zu lassen. Für diesen Job, bei dem es mehr als 400 000 Euro zu verdienen gibt, hatte sich auch McKinsey beworben und beste Chancen ausgerechnet. Mit Suder als zuständiger Staatssekretärin könnte sich die Firma diesen Auftrag wohl abschminken.

immer wiederRüstung war noch nie in Frauenhand

Allerdings nennen auch „Süddeutsche Zeitung“ und „Bild am Sonntag“ die bisherige Unternehmensberaterin als chancenreichste Anwärterin. Sie wäre die erste Frau auf diesem überaus einflussreichen Posten. In der Vergangenheit hat der Rüstungsbereich Verteidigungsminister immer wieder ins Trudeln gebracht. Und erst im Februar hatte Leyen auch den von ihrem Amtsvorgänger Thomas de Maizière übernommenen Staatssekretär Beemelmans entlassen, weil er ihr dieser zu mächtig erschien und sie ihm die notwendig gewordene Neuordnung des Rüstungssektors nicht zutraute.

Beemelmans und der ebenfalls entlassene Abteilungsleiter Detlef Selhausen waren Schlüsselfiguren in der Affäre um die Skandaldrohne „Euro Hawk“, die Leyens Vorgänger de Maizière kurz vor der Wahl schwer zu schaffen machte. Nach seiner Darstellung hatten ihn seine Mitarbeiter nicht rechtzeitig und genügend über Zulassungsprobleme und die drohende Kostenexplosion bei dem Prestigeprojekt informiert. Allerdings hatte sich der CDU-Politiker nicht von seinem langjährigen Vertrauten, der ihm bereits im Kanzleramt und im Innenministerium zur Seite stand, trennen wollen.

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