US-Besuch in Polen : Unter dem Schirm: US-Vizepräsident umwirbt Polen

Der Auftrag Joe Bidens ist klar: verägerte Osteuropäer versöhnen. So kam die Charmeoffensive des US-Vizepräsidenten am ersten Tag seiner viertägigen Reise durch Polen, Rumänien und Tschechien nicht sonderlich überraschend.

Knut Krohn

Warschau -  „Polen ist der Champion unter den Ländern der Region und ein Vorbild für die ganze Welt“, sagte Biden reichlich überschwänglich nach seinem Treffen mit dem polnischen Premierminister Donald Tusk. „Mit Bewunderung blicken wir auf die Erfolge Polens in der Region.“ Zudem sei das Land natürlich weiter einer der engsten Verbündeten der USA.

Donald Tusk nahm diese Flut von Komplimenten lächelnd zur Kenntnis, hätte aber zu den Raketenplänen aus Washington wahrscheinlich gerne etwas mehr und vor allem mehr Konkretes erfahren. Er selbst ließ an seiner Bereitschaft keinen Zweifel aufkommen, die Pläne der USA zu unterstützenden. „Polen ist bereit, am neuen Projekt zur Raketenabwehr teilzunehmen“, sagte er. Mehr als allgemeine Aussagen zu den Plänen Washingtons in Sachen Abwehrschirm waren Biden am Mittwoch allerdings nicht zu entlocken. Zudem wollte der Vizepräsident den Eindruck vermeiden, dass es sich bei dem Projekt um einen Alleingang der USA handeln könnte. Das neue System erhöhe die Sicherheit Europas und der gesamten Nato, unterstrich Joe Biden.

Die Charmeoffensive Washingtons war notwendig geworden, nachdem US- Präsident Barack Obama im September den Plan seines Vorgängers George W. Bush zum Aufbau einer Langstrecken-Raketenabwehr in Polen und Tschechien fallen gelassen hatte. Damit sollten Angriffe aus dem Iran abgewehrt werden. Stattdessen strebt er das mobile SM-3-System zum Schutz vor Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite an. Vor allem in Polen löste die Entscheidung Enttäuschung aus. Warschau sieht sich als „erster Partner der USA in Europa“ und fühlte sich nun im Stich gelassen, sah man die Raketenabwehr doch als Versicherung gegen imperiale Gelüste des erstarkenden Russlands.

Vorwürfe aus Polen und Tschechien, die USA hätten die Raketenpläne aus Rücksicht auf Moskau aufgegeben, wies Joe Biden zurück. „Wir haben keinerlei Abmachungen mit Russland zu Lasten von Zentraleuropa getroffen“, sagte er der polnischen Tageszeitung „Rzeczpospolita“. Die Regierung Obamas ist in Osteuropa wegen ihres konzilianteren Kurses gegenüber Russland nicht besonders beliebt. Knut Krohn

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