US-Besuch : Merkel wirbt um Investitionen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der amerikanischen Wirtschaft für verstärkte Investitionen in Deutschland geworben. Nach einem Treffen mit Managern führender US-Unternehmen sagte Merkel: "Deutschland ist ein offenes Land für Investitionen aus Amerika."

New York - Merkel verwendete viel Mühe darauf, den Spitzenmanagern die Politik der Großen Koalition und ihre "Reform der kleinen Schritte" zu erläutern. Die US-Presse hatte in den vergangenen Wochen vielfach ein schnelleres Reformtempo in Deutschland angemahnt. "Ich glaube, dass diese kleinen Schritte etwas sind, das sehr unamerikanisch ist", sagte Merkel. In Deutschland sei aber mit den Jahren eine "Lücke zwischen Versprechen und Realität" entstanden. Deshalb sei nun erst einmal Ehrlichkeit geboten und damit das Eingeständnis, dass nicht alles von heute auf morgen gehe. Dennoch werde sich in Deutschland spürbar etwas ändern, versprach sie. Als Beispiel nannte sie einen "klaren Kurswechsel bei der Einstellung zu Forschung und Entwicklung".

BDI-Präsident Jürgen Thumann hatte schon vor der Begegnung für eine verstärkte transatlantische Wirtschaftsintegration geworben. Entsprechende Vereinbarungen zwischen der EU und den USA müssten nun endlich in die Tat umgesetzt werden. Thumann verlangte den Abbau von Marktzugangshemmnissen.

In den USA klagen europäische Unternehmen immer noch über Benachteiligungen. So bemängeln die Firmen zum Beispiel unterschiedliche Buchführungspflichten. Thumann verlangte auch, dass die Amerikaner angesichts der wachsenden Ausrichtung der US- Wirtschaft auf den pazifischen Raum mehr auf die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft hingewiesen werden sollen. Merkel sagte in ihrer Rede, das Prinzip des Freihandels dürfe nicht durchbrochen werden, weil sich eine Seite "kleine Vorteile" verspreche. Hier hätten die Demokratien auch Vorbildfunktion.

Deutschland ist für die US-Wirtschaft der größte Handelspartner in Europa. Der deutsche Export in die USA hatte im vergangenen Jahr einen Umfang von 69,3 Milliarden Euro. Die deutschen Importe aus den USA hatten einen Umfang von 41,3 Milliarden Euro. Im Bereich der Direktinvestitionen gibt es eine große Diskrepanz. Der Bestand der US-Direktinvestitionen betrug 2003 rund 81 Milliarden Euro. In den USA hatten deutsche Unternehmen dagegen zum gleichen Zeitpunkt Investitionen in Höhe von 139,5 Milliarden Euro getätigt.

An dem Treffen in New York nahmen auf amerikanischer Seite unter anderen die Vorstandschefs von General Electric, Jeff Immelt, und des Finanzunternehmens Goldman Sachs, Henry M. Paulson, teil. Auch Unternehmen wie Coca Cola und Motorola waren vertreten. Die National Football League, die in Europa derzeit eine Sommerliga veranstaltet, hatte ihren Geschäftsführer Paul Tagliabue entsandt. Von deutscher Seite war unter anderen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld dabei. (tso/dpa)

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