Politik : US-Fernsehsender: Ein Filter gegen den Staatsfeind

Albrecht Meier

In der Auseinandersetzung mit dem internationalen Terrorismus, so hat es US-Präsident George Bush der Öffentlichkeit eingeschärft, bedeutet Wissen auch Macht. Im "ersten Krieg des 21. Jahrhunderts", auch dies ein Bush-Zitat, kommt es mehr als bei den Konflikten der Vergangenheit auf die Erkenntnisse der Geheimdienste an. Mit den Kriegen des 20. Jahrhunderts hat der Kampf gegen die Al Qaida und andere terroristische Netzwerke dennoch etwas gemeinsam: Feindpropaganda schadet dem eigenen Unternehmen.

Aus diesem Grund hat die US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice an die großen US-Fernsehsender appelliert, Interviews mit Vertretern der Al Qaida nur noch gekürzt auszustrahlen. Am Sonntag hatten sämtliche Sender ein Interview mit Osama bin Laden in voller Länge von der Station "El Dschasira" übernommen. US-Geheimdienst-Experten schließen nicht aus, dass das Interview möglicherweise auch Anweisungen für Gefolgsleute bin Ladens enthielt.

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Umfrage: Befürchten Sie eine Eskalation der Gewalt? Auf Wunsch des Weißen Hauses haben sich die maßgeblichen US-Fernsehsender nun verpflichtet, Videos mit Botschaften von Al Qaida-Vertretern künftig zu bearbeiten. Die Sender ABC, CBS, NBC, CNN und Fox News wollen in Zukunft Terror-Aufrufe gegen Amerikaner wie den vom Sonntag entschärfen, berichtete die "New York Times" am Donnerstag. Beispielsweise hat der Sender ABC angekündigt, bei der Ausstrahlung von künftigen Bin-Laden-Videos nur auf Standbilder zurückzugreifen und nur den gedruckten Text über den Bildschirm laufen zu lassen. Die deutschen Fernsehsender ARD, ZDF, RTL, n-tv und N24 teilten unterdessen am Donnerstag mit, dass sie Material der "Al Qaida" um Osama bin Laden ohnehin nur in Ausschnitten sendeten und in einen redaktionellen Kontext stellten.

In Europa sind redaktionelle Sonder-Regelungen im Angesicht des Terrors übrigens nicht ganz neu: In den achtziger Jahren ließ die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher die Bildschirm-Präsenz von Vertretern der Sinn Fein, des politischen Arms der Terrororganisation IRA, drastisch einschränken. Sinn-Fein-Vertreter durften im britischen Fernsehen zwar zu sehen, aber nicht mehr im Originalton zu hören sein. Die BBC unterlief die Anordnung mit der Hilfe von Synchronsprechern, die die Sinn-Fein-Äußerungen im irischen Akzent noch einmal für das britische Publikum aufbereiteten.

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