US-Geheimdienst : Ein General soll die CIA aus der Krise führen

US-Präsident George W. Bush hat den umstrittenen Luftwaffengeneral Michael Hayden als neuen Chef des Geheimdienstes CIA nominiert. Mit der Entscheidung riskiert Bush neue innenpolitische Turbulenzen.

Washington - George W. Bush nominierte den 61-Jährigen Michael Hayden drei Tage nach dem Rücktritt von Porter Goss als neuen Chef der Mammut-Spionagebehörde mit rund 17.000 Mitarbeitern. Dies bestätigte Sicherheitsberater Stephen Hadley am Montag sagte. Der bisherige Vizedirektor für Nationale Sicherheit wird sowohl von der Opposition, aber auch von Seiten der Republikaner Bushs scharf kritisiert. Mit seiner Entscheidung für Hayden riskiert US-Präsident George W. Bush, ein halbes Jahr vor den Kongresswahlen in neue innenpolitische Turbulenzen zu geraten.

Hayden war bislang als Vizedirektor für nationale Sicherheit Stellvertreter des Nationalen Geheimdienstdirektors John Negroponte. Er steht Vizepräsident Dick Cheney nahe und ist der ranghöchste Militär beim US-Geheimdienst. Hayden war bereits sechs Jahre Direktor des US-Geheimdienstes NSA (National Security Agency). Der bisherige CIA-Direktor Porter Goss hatte am Freitag überraschend seinen Rücktritt eingereicht.

Hayden, zuletzt stellvertretender Nationaler Geheimdienstdirektor, ist bis in die Reihen der Republikaner hinein umstritten. Am Wochenende kritisierten Abgeordnete unter anderem, dass mit ihm ein Militär die Zivilbehörde übernehmen soll. Zum anderen hängt Hayden seine frühere Tätigkeit als Chef der Abhörbehörde NSA an. Auf diesem Posten dirigierte er die viel kritisierten Lauschangriffe auf Tausende von US-Bürgern nach den Anschlägen des 11. September 2001.

Hayden soll nun die Aufgabe meistern, an der Goss nach nur wenigen Monaten gescheitert war: Die durch ihre Versäumnisse vor dem 11. September und ihre Fehlanalysen vor dem Irak-Krieg in Verruf geratene CIA zu reformieren. Bei dieser Aufgabe soll ihm die Leitungserfahrung helfen, die er als Chef der NSA mit ihren mehr als 20.000 Mitarbeiter sammeln konnte.

Bush dürfte an Hayden auch das gute Verhältnis zu Geheimdienstdirektor John Negroponte schätzen. Es gilt als ein Schlüssel für die Reform des Auslandsgeheimdienstes. Der überraschende Abgang von CIA-Chef Goss nach nur anderthalbjähriger Amtszeit soll unter anderem dadurch ausgelöst worden sein, dass er mit dem ihm vorgesetzten Negroponte nicht klar kam.

Hayden wuchs in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania in einer Arbeiterfamilie auf und studierte dort Geschichte. Schon während seiner militärischen Laufbahn war er auf Spionage spezialisiert, in den 80er Jahren unter anderem in Bulgarien. In den 90er Jahren war er dann beim europäischen Zentralkommando der US-Armee in Stuttgart für die Geheimdienst-Operationen verantwortlich.

Noch unter Präsident Bill Clinton rückte Hayden in eine Schlüsselposition im Geheimdienstapparat auf, indem er die Leitung der auf die Überwachung von Telefonaten, Funkverbindungen und E-Mails spezialisierten NSA übernahm. Nach dem 11. September weitete die Behörde auf Anweisung Bushs diese Lauschangriffe auf US-Bürger aus, die im Verdacht standen, mit Terroristen im Ausland zu kommunizieren - das geheime Programm kam Ende vergangenen Jahres ans Licht und löste eine Kontroverse aus, die durch Haydens Ernennung neu angeheizt werden dürfte. (tso/AFP)

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