Politik : US-General nennt Nordkorea globale Gefahr

Zeitungsartikel über Umsturzpläne des Weißen Hauses belasten Atomgespräche in Peking

Harald Maass

Peking. Einen Tag vor Beginn der Nukleargespräche in Peking haben sich Nordkorea und die USA erneut gegenseitig schwer beschuldigt. Washington versuche mit dem „Nuklear-Spektakel“, Nordkorea zu isolieren, schrieb die nordkoreanische Parteizeitung „Rodong Sinmun“ am Dienstag. Der für die US-Streitkräfte in Südkorea verantwortliche General Leon LaPorte nannte Nordkorea eine globale Gefahr und „ein Hindernis auf dem Weg zum Frieden in der Region“.

Die an diesem Mittwoch beginnenden Gespräche, an denen Vertreter Chinas als Vermittler teilnehmen werden, sind der erste direkte Kontakt zwischen den USA und Nordkorea seit dem Beginn des Nuklearstreits im vergangenen Oktober. Bei den dreitägigen Verhandlungen steht der US-Seite der Abteilungsleiter für Ostasien im Außenministerium, James Kelly, vor. Für Pjöngjang verhandelt der Nordamerika-Abteilungsleiter Li Gun. Laut westlichen Diplomaten sind die Erwartungen an die erste Verhandlungsrunde gering. Den USA geht es vor allem darum, dass Nordkorea seine im Herbst aufgenommenen Atomprogramme einstellt. Sie werfen Nordkorea vor, Atomwaffen zu entwickeln. Nordkoreas Führung um den Diktator Kim Jong Il hingegen verlangt als Gegenleistung für die Aufgabe seiner Atompläne politische und ökonomische Zugeständnisse: Washington soll einen Nicht-Angriffspakt unterzeichnen. Zudem hofft man auf bessere Beziehungen zu den USA, die seit dem Koreakrieg vor fünfzig Jahren ein Handelsembargo gegen das Regime aufrechterhalten.

Belastet wird das Gesprächsklima auch durch eine Reihe von Artikeln, nach denen die USA aktiv einen Regimewechsel in Nordkorea durchsetzen wollen. Die „New York Times“ zitierte kürzlich ein internes Memorandum des Weißen Hauses, nach dem die USA zusammen mit China auf einen Sturz von Kim Jong Il hinarbeiten sollten. Ein US-Sprecher dementierte den Bericht. Unter Berufung auf Pentagon-Quellen schrieb das Blatt aber auch, dass Verteidigungsminister Donald Rumsfeld auf einen Regimewechsel dringe. Die australische Zeitung „The Australian“ meldete unter Berufung auf hochrangige US-Quellen, dass Washington Pläne für einen Militärschlag gegen das Atomzentrum Yongbyong ausgearbeitet hätte. Dort lagern 8000 nukleare Brennstäbe, die laut Pjöngjang aufbereitet werden sollen. Die Clinton-Regierung hatte 1994 einen solchen begrenzten Militärschlag erwogen. Wegen der Bedrohung für Südkoreas Bevölkerung halten Beobachter eine solche Aktion aber bisher für unwahrscheinlich.

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