US-Präsidentschaftswahl : Donald Trump bricht ein

Die Krisenzeichen in Trumps Kampagne mehren sich: Absturz in den Umfragen, Spendenflaute, Konflikte mit Medien. Aber er reagiert. Ein Kommentar.

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GEFEUERT: Corey Lewandowski (links) ist nicht mehr Trumps Wahlkampfmanager.
GEFEUERT: Corey Lewandowski (links) ist nicht mehr Trumps Wahlkampfmanager.Foto:Joe Skipper/Reuters

Ist das der Absturz oder nur eine Schwächephase? In den Umfragen fällt Donald Trump zurück. Beim Spendenaufkommen liegt er weit hinter Hillary Clinton. Seine Konflikte mit den US-Medien wachsen. Nun hat er seinen Wahlkampfmanager Corey Lewandowski gefeuert.

Der alte Wahlkampfmanager muss gehen

Bisher ist Donald Trump mit seiner Außenseiterstrategie gut gefahren. Er legte es darauf an, gegen so ziemlich alle tradierten Wahlkampfregeln zu verstoßen. Er hielt sein Wahlkampfteam ungewöhnlich klein. Er hatte einen Kampagnenmanager, der keine Erfahrung mit einer Präsidentschaftsbewerbung hatte und eher durch Türsteher-Qualitäten und körperliche Durchsetzungsfähigkeit gegen Journalisten und Störer von sich reden machte. Statt um die strategisch wichtigen Wählergruppen gezielt zu werben, äußerte er sich beleidigend über Frauen, über Latinos, über Homosexuelle, über Zuwanderer aus muslimischen Staaten. Er behauptete, dass er auf die obszön hohen Wahlkampfspenden, mit denen Präsidentschaftskandidaten in den USA üblicherweise ihre Kampagne finanzieren, erstens, nicht angewiesen sei, weil er "richtig reich" sei. Und er sie, zweitens, nicht wolle, um Abhängigkeiten von den Spendern zu vermeiden.

Mit dem Image des Regelbrechers, der "Disruption" zu einer Tugend erklärt und gegen das herrschende System opponiert, war Trump außergewöhnlich erfolgreich. Er gewann das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Ende Mai, als er dort als Sieger feststand, Hillary Clinton sich hingegen noch in den letzten Vorwahlen gegen Bernie Sanders behaupten musste, übernahm Trump sogar die Führung in den landesweiten Umfragen: mit 43,4 zu 43,2 Prozent.

Absturz in den Umfragen

Vier Wochen später sieht die Welt anders aus für Donald Trump. Im Schnitt der Umfragen liegt er sechs Prozentpunkte hinter Clinton: 39,4 zu 45,4. Noch beunruhigender für ihn: Im US-Wahlsystem für die Präsidentschaft kommt es auf ganz bestimmte der insgesamt 50 Einzelstaaten an, die so genannten "Swing States". In diesen acht bis zwölf Staaten haben mal die Demokraten, mal die Republikaner die Mehrheit. Sie entscheiden darüber, wer ins Weiße Haus einzieht. In Florida, Ohio, , New Hampshire, Pennsylvania, Virginia liegt Clinton in den Umfragen vor Trump.

Sein Umgang mit dem Massaker in einem Club für Homosexuelle in Orlando hat ihm offenbar geschadet. Trump bekräftigte seine Forderung, Muslime nicht mehr in die USA einreisen zu lassen. Der Täter war jedoch ein in den USA geborener Mann afghanischer Abstammung, der sich im Inland radikalisiert hatte.

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Clinton wirbt neun Mal so viel Spenden ein

Das Defizit beim Spendenaufkommen scheint nun auch Trump nicht mehr gleichgültig zu sein. Den Juni begann er mit nur 1,3 Millionen Dollar auf dem Wahlkampfkonto, Clinton mit über 40 Millionen Dollar. Das geht aus den gesetzlich vorgeschriebenen Berichten an die Wahlkampfkommission hervor. Im Mai hat er rund drei Millionen Dollar Spenden eingeworben, sie das Neunfache, 27 Millionen Dollar.

Trumps Verhältnis zu den Medien war immer konfliktreich. Doch nun wird es geradezu stürmisch. Die Redaktionen, die sich schlagkräftige Investigations-Teams leisten, graben in seiner Vergangenheit. Sie untersuchen die Fälle, wo er Firmen in den Bankrott führte. Er ist womöglich doch kein so genialer "Dealmaker", wie er behauptet. Sie durchleuchten seine Geschäftsverbindungen nach Russland. Sie berichten über seine Kredite bei der Deutschen Bank, bei denen die Rückzahlung nicht so glatt lief. Sie durchkämmen frühere Liebschaften.

Im Krieg mit den Medien

Trump antwortet mit Sanktionen. Er schließt Berichterstatter der Medien, die sich aus seine Sicht unbotmäßig verhalten, von seinen Veranstaltungen aus.

Nun hat Trump auf die Krise seiner Kampagne reagiert: Corey Lewandowski, dessen Name eng mit Trumps jähem Aufstieg zu Beginn des Wahlkampf verbunden war, muss gehen. Über die Gründe und die finanziellen Bedingungen der Trennung schweigt die Kampagne offiziell. US-Journalisten mit Kontakten zu Insidern des Trump-Teams berichten über harte Auseinandersetzungen und kommen zu dem Schluss: Lewandowski wurde "gefeuert".

Aus der Art des Umgangs mit Lewandowski kann man manches über Trump lernen. In seiner Personalpolitik setzt er auf unkonventionelle Mitarbeiter. Er trennt sich nicht rasch von ihnen, wenn Probleme auftauchen. Als Lewandowski im März wegen seiner Rangelei mit einer Journalistin angeklagt wurde, hielt Trump zu ihm. Er setzte ihn aber zugleich unter Druck, indem er eine Alternative zu ihm einstellte: Paul Manafort, ein erfahrener Wahlkampfmanager im republikanischen Lager.

Trumps Personalpolitik

Zunächst sollte Manafort sich um die Delegierten für den Nominierungsparteitag kümmern und Sorge tragen, dass Trump dort ohne Kampfabstimmung zum Kandidaten gewählt wird. Doch unvermeidlich setzte Trump damit einen Wettbewerb im eigenen Team im Gang, den nicht beide auf Dauer überleben konnten. Das Verhältnis zwischen Lewandowski und Manafort wurde spannungsreicher und schließlich nahezu feindselig. Offiziell war Lewandowski für das Spendeneinwerben zuständig. Da hat er die Erwartungen nicht erfüllt.

Entscheidend dürfte aber das Gesamtbild sein. Trumps Kampagne ist in einer schweren Krise. Er musste handeln, damit daraus kein Absturz wird.

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