US-Präsidentschaftswahl : Mischt Bloomberg den Wahlkampf auf?

Er gilt als flexibel und steinreich - nun wachsen die Spekulationen, dass New Yorks populärer Bürgermeister Michael Bloomberg im Rennen um das Weiße Haus mitsprinten könnte. Je mehr die bisherigen Kandidaten polarisieren, desto größer könnten seine Chancen sein.

Peer Meinert[dpa]
Michael Bloomberg
Der New Yorker Bürgermeister und Multi-Milliardär Michael Bloomberg. -Foto: AFP

WashingtonNeue Spannung im US-Vorwahlkampf: Der New Yorker Bürgermeister und Multi-Milliardär Michael Bloomberg (65) spielt trotz aller offiziellen Dementis mit dem Gedanken, ins Rennen um das Weiße Haus einzusteigen. Um seine Chancen auszuloten, habe der unabhängige "Selfmade-Politiker" eine umfassende Studie in zahlreichen Bundesstaaten erstellen lassen. Die Strategie des politisch Unabhängigen ist es offensichtlich, Hillary Clinton, Barack Obama und die anderen Kandidaten so lange wie möglich auf die Folter zu spannen. "Erst im März will sich Bloomberg entscheiden", berichtete der TV-Sender CNN heute unter Berufung auf einen Vertrauten. Der überaus populäre Bloomberg könnte den gesamten US-Wahlkampf durcheinanderbringen - doch geht die Rechnung auf?

Die Spekulationen blühen seit Monaten, der Wahrheitsgehalt ist meist schwer abzuschätzen - doch allein die enormen Geldmittel des Geschäftsmannes Bloomberg lassen alle demokratischen und republikanischen Bewerber erblassen. Bloomberg ist Besitzer der gleichnamigen Finanzagentur, die Schätzungen seines Vermögens schwanken zwischen fünf und 20 Milliarden Dollar. Allein 75 Millionen Dollar soll er in seine Wahlkampagne in New York gesteckt haben, finanziell kennt der nur 1,73 Meter große Mann keine Grenzen.

Immer wieder heizt der Politiker die Gerüchte an. "Lass uns tun, was richtig für das Land ist", ließ er sich unlängst vernehmen. Es gebe keine Zusammenarbeit der Parteien mehr, "keinen Willen mehr, sich auf große Ideen zu konzentrieren". Kürzlich traf er sich mit ehemaligen Senatoren und unabhängigen Politikern, auch mit dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger, ebenfalls politisch ein eher unabhängiger Kopf, unterhält er sich gerne.

Vom Demokraten zum Republikaner

Auf die Dementis, keine eigene Kandidatur anzustreben, geben Kommentatoren in Washington nicht sonderlich viel: Zu oft hat Bloomberg das politische Hemd gewechselt. Erst war er Demokrat, vor seiner Wahl zum New Yorker Bürgermeister 2001 trat er den Republikanern bei, um schließlich im Sommer 2007 auch dort seinen Austritt zu erklären und sich als Unabhängiger zu präsentieren - politisch flexibel und wendig ist der ehemalige Aktienhändler also.

Experten meinen, das bisherige "tote Rennen" bei Republikanern und Demokraten spiele ihm geradezu in die Hände: Ein Favorit ist nach den vergangenen Abstimmungen nicht in Sicht. Während sich Hillary Clinton und Barack Obama, John McCain und Mitt Romny am Donnerstag wieder in den Vorwahlkampf stürzten, wird immer klarer: Es wird noch lange dauern, bis die Kandidaten-Kür entschieden ist. Frühestens am 5. Februar, dem "Super-Dienstag", wenn über 20 Staaten wählen, ist damit zu rechnen. Bis dahin können sich die Kandidaten erheblich beschädigen.

Bloombergs Kalkül: Mindestens 40 Prozent der Wähler würden Schätzungen zufolge einen unabhängigen Bewerber begrüßen. Freunden hat er angeblich folgendes Szenario anvertraut: Falls die Demokraten Clinton wählen und die Republikaner erneut einen strenggläubigen Konservativen wie etwa Mike Huckabee zum Kandidaten küren, würde er antreten - denn dann sei die politische Mitte offen. Doch angesichts seiner liberalen Haltung in Sachen Abtreibung, Homo-Ehe und Immigration halten es Experten für mehr als fraglich, ob der New Yorker Bloomberg in den weiten ländlichen Gebieten der USA wirklich eine Chance hat - aber politisch ist Bloomberg bekanntlich flexibel und wendig.

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