Politik : US-Truppen am Golf verdoppelt

Washington schickt noch einmal 27 000 Soldaten in die Region / Widerstand in britischer Regierung gegen Irak-Krieg

Malte Lehming

Washington. Die Kriegsvorbereitung der USA ist in die entscheidende Phase getreten. Innerhalb von 24 Stunden hat Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zweimal die Verlegung von großen Truppenkontingenten an den Golf verkündet. Es ist der umfangreichste Einsatzbefehl seit Beginn des Aufmarsches. Am Freitag hatten 35 000 Soldaten den Marschbefehl erhalten, jetzt folgen noch einmal 27 000. Zurzeit befinden sich bereits 60 000 Mitglieder der US-Streitkräfte in der Region. Bis Ende Februar sollen etwa 150 000 US-Soldaten auf Flugzeugträgern und in Kuwait, Katar, Oman, Saudi-Arabien und der Türkei stationiert sein.

Aus militärischer Sicht sei ein Angriff auf den Irak dann jederzeit möglich, hieß es am Sonntag übereinstimmend in mehreren US- Zeitungen. Gleichzeitig hat die US-Luftwaffe damit begonnen, mehrere Bomberstaffeln und Kampfflugzeuge zu verlegen. So starteten auch mehr als 200 Soldaten der Kampfflugeinheit Spangdahlem (Eifel) in die Region. Außerdem wurde angeordnet, dass sich ab dem 15. Januar sämtliche 175 000 aktiven Marinesoldaten sowie Zehntausende Reservisten einsatzbereit halten müssen. Wie die „New York Times“ meldet, würden sich in den nächsten Wochen etwa 3000 Offiziere und Zivilplaner auf dem US-Truppengelände in der Nähe von Wiesbaden mit Computersimulationen intensiv auf den Irak-Krieg vorbereiten. Großbritannien entsandte am Samstag den Flugzeugträger „Ark Royal“ in den Nahen Osten, um nach offiziellen Angaben dort an einem Seemanöver teilzunehmen. Russland will nach Militärangaben aus Wladiwostok zwei Kriegsschiffe zur „Beobachtung“ in die Golfregion entsenden.

Unterdessen drängen nach amerikanischen Medienberichten wichtige Verbündete der USA auf eine friedliche Lösung des Konfliktes. Den UN-Inspekteuren müsse über den 27. Januar hinaus – an diesem Tag müssen die UN ihren Zwischenbericht über die Arbeit im Irak präsentieren – Zeit gegeben werden. In der US-Administration dagegen scheint die Geduld begrenzt zu sein. Mit den Worten: „Am 27. Januar beginnt die Schlussphase unserer Offensive", zitierte die „Washington Post“ am Sonntag einen Regierungsvertreter. Dem Bericht zufolge werde weiterhin die Möglichkeit einer „Kosovo-Lösung“ erwogen. Damit ist ein Krieg ohne UN-Mandat gemeint.

Die optimale Zeit für den Beginn eines Irak-Kriegs ist nach Ansicht von Experten der Zeitraum zwischen Mitte Februar und Ende März. Abgewartet werden müsse auf jeden Fall die so genannte Hadsch, die jährliche Pilgerfahrt von etwa zwei Millionen Muslimen nach Mekka, die um den 14. Februar herum stattfindet. Ab April wiederum werde es zu heiß in der Region.

Aus britischen Regierungskreisen verlautete, US-Präsident George W. Bush werde Ende Januar mit Premierminister Tony Blair über das weitere Vorgehen beraten. Nach übereinstimmenden Berichten britischer Sonntagszeitungen gibt es in der Labour-Regierung großen Widerstand gegen einen Irak-Krieg. Mehrere Minister hätten Blair gewarnt, dass er seine Strategie „besser verkaufen“ müsse, berichtete der „Sunday Telegraph“. Sonst drohe ihm eine Rebellion von Abgeordneten und Parteimitgliedern.

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