US-Vorwahlen : Absturz des Superbürgermeisters

Eigentlich hatte Rudolph Giuliani seinen Platz in den Geschichtsbüchern schon sicher. Als Bürgermeister führte er die Metropole New York nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beherzt durch ihre dunkelsten Stunden. Nach seiner Vorwahlschlappe in Florida ist sein Traum ins Weiße Haus einzuziehen in weite Ferne gerückt.

Peter Wütherich[AFP]
Rudy Giuliani
Rudy Giuliani verabschiedete sich in Florida aus dem republikanischen Präsidentschaftswahlkampf. -Foto: AFP

WashingtonNichts erinnerte an Giulianis legendäre Rauflust, als er vor Anhängern in Miami bitter enttäuscht seine Niederlage eingestand: "Man kann nicht immer gewinnen, aber man kann versuchen, es richtig zu machen." Es hörte sich schon an wie ein Abschied. Noch am Mittwoch könnte Giuliani laut US-Medien seinen Ausstieg aus dem Rennen bekannt geben und eine Wahlempfehlung für seinen Freund McCain abgeben. Zuletzt hatte Giuliani, der als Favorit um die 50 Millionen Dollar an Spendengeldern in seinem Wahlkampf verpulverte, nicht einmal mehr seine führenden Mitarbeiter bezahlen können. Er sprach vor halbleeren Hallen. Seine Umfragewerte traten den freien Fall an.

Affären und zwielichtige Freunde

In die Geschichte der US-Wahlkämpfe wird Giuliani als Lehrbeispiel dafür eingehen, wie man es nicht macht. Hinter seinem spektakulären Absturz stehen eine hoch riskante Strategie - und seine eigene sperrige Persönlichkeit, die ihm immer wieder in die Quere kam. Giuliani hatte den Rat der Experten ausgeschlagen und den traditionell wichtigen Auftakt der Vorwahlen in kleinen Bundesstaaten wie Iowa und New Hampshire ignoriert. Er konzentrierte sich ganz auf den Wahlkampf in Florida, ein Sieg dort sollte sein Einstieg in den Wahlkampf sein. Doch dann musste Giuliani hilflos mit anschauen, wie McCain in der Provinz Sieg um Sieg errang und ihm die Favoritenrolle abnahm.

Giulianis Nimbus als Held des 11. Septembers war das Fundament seiner Kampagne für das Weiße Haus. Sein Ansehen bröckelte, als sich die Wähler genauer mit ihm beschäftigten: Sie lernten einen Mann kennen, der als Bürgermeister eine außereheliche Affäre pflegte, der sich mit zwielichtigen Freunden umgab, der keinen noch so geringfügigen Streit scheute. Sein aufbrausendes Naturell und sein verkrachtes Privatleben warfen Fragen auf, sein Eintreten für das Recht auf Abtreibung und die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften irritierte viele konservative Republikaner. Zuletzt kam Giuliani noch sein Hauptthema, die nationale Sicherheit, abhanden. Als wichtigstes Thema der Wähler hatte sich die Wirtschaftslage in den Vordergrund geschoben.

McCain ist Favorit

Giulianis Botschaft lief ins Leere. Die Republikaner ließen ihren einstigen Favoriten fallen. Er wird nun wohl ohne einen einzigen Vorwahlsieg abtreten. So erstaunlich wie Giulianis Niedergang ist der Aufstieg des Politikveteran McCain, der noch vor Wochen in Umfragen weit hinter dem New Yorker Ex-Bürgermeister zurücklag. McCain hat in New Hampshire, South Carolina und nun auch in Florida gewonnen. Damit ist er optimal für den "Super-Dienstag" am 5. Februar positioniert, wenn die Republikaner in mehr als 20 US-Staaten Vorwahlen abhalten und damit wohl die letzte Vorentscheidung über die Nominierung fällen. Ein ebenbürtiger Konkurrent in der Partei ist nicht mehr in Sicht.

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