US-Wahlen : Angriff Clinton, Konter Obama

Hillary Clinton begeistert in der jüngsten TV-Debatte in Texas nur ihre eigenen Anhänger. Vor den entscheidenden Vorwahlen in Ohio und Texas zieht ihr Konkurrent Barrack Obama in der Wählergunst weiter davon.

Christoph von Marschall[Washington]

Zum 19. Mal trafen sich Hillary Clinton und Barack Obama am Donnerstagabend zu einer TV-Debatte. Vieles hat sich geändert seit der ersten Ende April 2007 in South Carolina. Damals wetteiferten acht demokratische Bewerber um die Sendezeit. Eine Stoppuhr wachte, dass niemand die – je nach Frage zugeteilten – 30 oder 60 Sekunden überschritt. Nun sind nur noch diese zwei im Rennen. Die Medien stilisieren die Debatte zu einem Pokalspiel im K.-o.-System, das ihm oder ihr den tödlichen Schlag versetzen kann. Sie hatten 90 Minuten zu zweit und durften länger ausholen. Die Moderatoren griffen nur ein, um das Thema zu wechseln oder wenn eine(r) zu lange redete.

Clinton und Obama haben die Rollen getauscht. Bei der ersten Debatte vor zehn Monaten war sie die Favoritin. Sie blieb es bis zum Super Tuesday vor gut zwei Wochen. Seither hat er elf Vorwahlen in Folge gewonnen. 2007 musste er angreifen, um als ernsthafter Konkurrent zu erscheinen. Jetzt muss sie punkten, um aufzuholen. Ein unentschiedener Ausgang der Debatte wäre wie ein Sieg für ihn. Der 4. März ist ihre letzte Chance, ihn abzufangen. Dann stimmen neben Rhode Island und Vermont zwei Schwergewichte ab: Texas und Ohio, mit vielen Delegierten für den Nominierungsparteitag Ende August, der sie oder ihn in die Hauptwahl am 4. November schickt.

Die Fernsehnation wusste, noch bevor die beiden in der Lyndon-B.-Johnson-Präsidialbibliothek in Texas’ Hauptstadt Austin saßen: In Clintons Team gibt es Streit, was sie tun solle. Angreifen! Das empfehlen die einen: Obamas geringere Erfahrung thematisieren und ihn in Detailstreit, zum Beispiel um die Modelle einer Krankenversicherung für alle, verwickeln. Nicht doch, warnen die anderen. Das schade nur, sie gelte ohnehin als streitlustig, überehrgeizig und verbissen.

Hillary begann mit Kuschelkurs, betonte immer wieder, in wie vielen Fragen sie mit ihm übereinstimme. Sie beendete die Debatte auch mit einer höchst versöhnlichen Note: „Es ist eine große Ehre für mich, hier neben Senator Obama zu sitzen“, zollte sie seinem Aufstieg Anerkennung und reichte ihm die Hand. Er ergriff sie, offenbar gerührt. Es war ihr bester Moment an dem Abend.

In den Minuten dazwischen attackierte sie, nach einer langen Phase vorsichtigen Abtastens. Er hat inzwischen Routine im Kontern, wirkt nicht mehr so hektisch wie in den ersten Debatten. Fast präsidial scheint er in sich selbst zu ruhen. Auf ihre Behauptung, ihm fehle die Erfahrung, antwortete er wie gewohnt: Trotz aller Erfahrung habe sie für den Irakkrieg gestimmt, er jedoch von Anfang an dagegengesprochen. Er habe also die bessere Urteilsfähigkeit bei Krieg oder Frieden.

Abermals kritisierte sie, er halte nur schöne Reden, entscheidend seien aber Taten. Im Wahlkampf wehrt er sich mit Zitaten aus der Verfassung oder von Auftritten des Bürgerrechtlers Martin Luther King. „Nur Worte?“, fragt er dann rhetorisch, und jeder versteht: Man muss die Menschen mitreißen, um in der Politik etwas zu erreichen. Erneut warf sie ihm vor, er habe die Passage „geklaut“ von einem anderen Redner. Obama stehe nicht für „Wandel, an den man glauben kann“, verspottete sie sein Motto, sondern für „Wandel, den man kopieren kann“.

Dafür erntete sie Buh-Rufe. Es wirkte einstudiert. Und Amerika kennt Obamas Antwort. Der Urheber des Zitats sei sein Freund, zudem führendes Mitglied seines Teams, und habe ihm erlaubt, das Zitat zu verwenden. So liefen Hillarys Attacken ins Leere – oder schadeten ihr gar.

Nur im Ausklang begeisterte Hillary. Egal, wie dieses Duell ende: Ihr und Barack werde es gut gehen, weil Familie und Freunde sie bei einer Niederlage auffangen. „Doch wird es auch Amerika gut gehen?“ Darum gehe es. Ihre Fans jubelten. Sie sehen sie zurück im Rennen. Mehrere Kommentatoren meinen dagegen, das habe nach resignativem Aufgeben geklungen. Zudem hat sie diesen Satz geklaut: aus John Edwards Abschiedsrede.

Der K. o. blieb aus. Es heißt weiter: Vorteil Obama. Nach jüngsten Umfragen hat sie ihren einst großen Vorsprung in Texas ganz eingebüßt. In Ohio ist er auf sieben Prozentpunkte geschrumpft.

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