Politik : US-Wahlkrimi: Das doppelte Bangen des Larry Summers

Robert von Rimscha

Nervös sind derzeit viele in der US-Hauptstadt. Einer ist es gleich doppelt. Finanzminister Larry Summers ist einer der wenigen, der sich Hoffnungen machen darf, auch in einem Gore-Kabinett wieder verwendet zu werden. Wenn Gore gewinnt. Die Hoffnung auf den Ministerposten ist ein Teil jener Zukunftssorgen, die sich Tausende potenzielle hohe Regierungsbeamte auf beiden Seiten machen. Sehr spezifisch ist dagegen das zweite Bangen des Larry Summers.

Je vertrackter das juristische Duell um den Ausgang der Präsidentschaftswahl in Florida wird, umso weniger tollkühn ist es, das Unglaubliche anzunehmen: Dass Amerika erstmal weder Bush noch Gore als neuen Mann im Weißen Haus bekommt. Genau hier wird es für Summers interessant - und existenziell. Mehrere Szenarien könnten dazu führen, dass die 538 Wahlmänner, die eigentlich am vergangenen Dienstag bestimmt wurden, nicht wie vorgesehen am 18. Dezember Bush oder Gore wählen. Lange Prozesse über mehrere Instanzen sind der eine Weg. Ein Patt, hervorgerufen durch die erfolgreichen Bestrebungen der in Florida unterlegenen Seite, auf den Sieg bei den landesweiten Direktstimmen hinzuweisen und damit Druck auf Wahlmänner auszuüben, der andere.

Wenn die Wahlmänner keinen Präsidenten wählen, wäre der Kongress an der Reihe. Das kann sich ziehen. Also könnten die Nachfolgeregelungen der Verfassung in Kraft treten. Und hier endlich - zugegebenermaßen nur im Falle des Eintretens weiterer ungewöhnlicher Umstände - käme Summers zum Zuge. Die drei Personen, die als erste Clinton-Nachfolger würden, fallen aus. Al Gore, der Vize, weil er Kandidat war und dadurch nicht für eine Übergangsregelung in Frage kommt. Außenministerin Madeleine Albright, weil sie nicht in den USA geboren wurde. Strom Thurmond, der Älteste im Senat, weil er auf die Hundert zugeht. Der nächste Nachrücker aber ist Larry Summers.

"Präsident Larry" ist eine Formel, die man derzeit in Washington oft hört - nicht als ernstgemeinte Prognose, sondern als sarkastischen Kommentar des Wahl-Chaos und als Ausdruck des Erstaunens, mit dem die Amerikaner diese ungewöhnlichen Tage verdauen. Summers selbst schwitzt. "Er zittert und ist noch unausstehlicher als sonst", weiß sein Redenschreiber zu berichten.

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