Countdown zur US-Wahl: Noch 5 Tage : Geteiltes Land, geteilte Wahl

Nehmen die Demokraten Revanche für den Bush-Sieg im Jahr 2000? Nach der US-Wahl könnte Präsident Obama im Amt bleiben, ohne die Mehrheit der Stimmen bekommen zu haben. Eine solche Konstellation dürfte in den USA für böses Blut sorgen - und demokratietheoretisch lässt sich das Wahlmännersystem kaum verteidigen.

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Bleibt Obama ohne Mehrheit der Stimmen im Amt?
Bleibt Obama ohne Mehrheit der Stimmen im Amt?Foto: dapd

In seinem Bestseller „Stupid White Men“ schimpft sich Michael Moore die Seele aus dem Leib. Besonders empört ist er über George W. Bush und die „gestohlene“ Präsidentschaft im Jahr 2000.

Moore schreibt: „Al Gore ist der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten. Er erhielt 539.898 Stimmen mehr als George W. Bush. Dennoch sitzt er heute nicht im Oval Office. Statt dessen zieht unser gewählter Präsident ohne Ziel und Auftrag durchs Land und taucht nur gelegentlich auf, um vor Collegestudenten einen Vortrag zu halten oder seinen Vorrat an Little Debbie’s Snack Cakes aufzustocken. Al Gore hat gewonnen. Al Gore, Präsident im Exil. Lang lebe El Presidente Albertoooooo Gorrrrrrrrrrre!“

Erinnerungen werden wach. Gore hatte die Stimmenmehrheit der Amerikaner hinter sich, aber nicht die Mehrheit der Wahlmänner. Doch auf die kommt es an. Entschieden wurde die Wahl letztlich, nach wochenlangen Nachzählungen und juristischen Manövern, in Florida. 537 Stimmen gaben den Ausschlag. Kein Wunder, dass die Unterstützer von Barack Obama jetzt in allen acht Swingstates eine TV-Werbekampagne lanciert haben, in der Bilder von Bush, Dick Cheney und dem Irakkrieg zu sehen sind, während eine Stimme mahnt: „537 Stimmen haben über den Kurs Amerikas entschieden. Jede Stimme zählt.“

Drittes TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten 2012
Ruhig, resolut und kenntnisreich hat Mitt Romney Barack Obama in einen Rollentausch gedrängt, meint Malte Lehming, der aus den USA zur Wahl berichtet. Die letzte TV-Debatte dürfte die Dynamik des Wahlkampfes kaum verändern - davon allerdings profitiert Romney.Weitere Bilder anzeigen
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23.10.2012 14:43Ruhig, resolut und kenntnisreich hat Mitt Romney Barack Obama in einen Rollentausch gedrängt, meint Malte Lehming, der aus den USA...

Doch es zählt nicht jede Stimme. In Amerika leitet sich durch das System der Wahlmänner aus einer absoluten Stimmenmehrheit nicht direkt eine Mandatsmehrheit ab. Nun liegt Mitt Romney im Durchschnitt der nationalen Umfragen seit gut drei Wochen knapp, aber stabil vor Obama, während Obama seit längerer Zeit über eine deutliche, stabile Mehrheit bei den Wahlmännern verfügt. Wiederholt sich die Geschichte, nur diesmal anders herum? Nehmen die Demokraten 2012 Revanche für 2000?

Würde morgen gewählt, könnte Obama – statistisch gesehen - Präsident bleiben, während Romney die absolute Mehrheit der Stimmen erhält. Laut dem Wahlexperten Charlie Cook ist die Wahrscheinlichkeit dafür durchaus real. Eine solche Teilung der Mehrheiten hat es in der amerikanischen Geschichte zwar schon viermal gegeben (1824, 1876, 1888, 2000), aber erst ein einziges Mal in den vergangenen 124 Jahren. Auch deshalb hatte der Bush-Sieg über Gore die Spaltung im Land noch weiter vertieft.

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