Verbalattacke auf Walter Sittler : CDU rückt S-21-Gegner in Nazi-Nähe

Der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl hat mit einem NS-Vergleich über den Schauspieler und "Stuttgart 21"-Gegner Walter Sittler Empörung ausgelöst. Am Dienstagabend folgte der Rückzieher.

Der CDU-Politiker hatte die NS-Vergangenheit von Sittlers Vater in einer Ausgabe seines Newsletters "Berlin Aktuell" vom 29. Oktober mit dem Engagement Sittlers gegen das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21" in Verbindung gebracht. Eine Bildunterschrift unter einem Foto Sittlers lautete: "Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung".

Strobl räumte am Dienstag Fehler ein. Er sei "in der Hitze des Gefechts" mit der Bildunterschrift und dem Hinweis auf die NS-Vergangenheit von Edward Sittler beim Reichspropagandaministerium "über das Ziel hinausgeschossen". Er habe eine an ihn adressierte E-Mail von Sittler zum Anlass genommen, den entsprechenden Artikel aus dem Netz zu entfernen. In einer Antwortmail, die am Dienstagabend von der CDU veröffentlicht wurde, hatte er sich außerdem bei dem Schauspieler entschuldigt. Nach Strobls Worten hat Sittler die Entschuldigung angenommen. Strobl bedauerte seine Wortwahl auch im Hinblick auf die Friedenspflicht. Ihm sei an einer "Versachlichung der Debatte" gelegen, sagte Strobl und betonte, den Vergleich nicht wiederholen zu wollen.

Bürgerproteste gegen Stuttgart 21
Lange Zeit ging es gegen Stuttgart 21 auf die Straße. Diese Herren im Hasenkostüm nehmen an einer Sitzblockade gegen den Bahnhofsbau teil.Weitere Bilder anzeigen
1 von 191Foto: dpa
21.06.2011 07:39Lange Zeit ging es gegen Stuttgart 21 auf die Straße. Diese Herren im Hasenkostüm nehmen an einer Sitzblockade gegen den...

Sittler bestätigte, dass Strobl sich bei ihm entschuldigt habe und er dies auch akzeptiere. "Strobl hat einen Fehler gemacht und diesen auch eingesehen", sagte Sittler. Für ihn sei die Angelegenheit damit erledigt. "Ich kämpfe gegen Fehler, nicht gegen Personen."

Der Grünen-Landesvorsitzende Chris Kühn bezeichnete die Bildunterschrift als "infamen und völlig inakzeptablen Angriff" auf Sittler. Kühn sagte: "Strobl verlässt mit seinem unsäglichen NS-Verweis den Rahmen der demokratischen Streitkultur." Der Grünen-Politiker wertete die "Entgleisung" als Zeichen, dass bei der CDU "langsam die Sicherungen durchbrennen". (dapd)

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