Vereidigung : Die Welt hofft auf Amerika - Obama erster schwarzer US-Präsident

Wandel in Amerika - Hoffnung für die Welt: Vor Millionen begeisterten Menschen in Washington und Milliarden Fernsehzuschauern rund um den Globus hat Barack Obama seinen Amtseid als 44. Präsident der USA abgelegt.

Barack Obama Foto: AFP
Now he can: Barack Obama ist offiziell Präsident der USA. -Foto: AFP

WashingtonIn einer kraftvollen und mitreißenden Rede auf den Stufen des Kapitols stimmte der selbstbewusst auftretende 47-Jährige seine Landsleute angesichts der Kriege in Irak und Afghanistan und der Wirtschaftskrise auf schwere Zeiten ein. Doch ließ er keinen Zweifel daran, dass die Amerikaner unter seiner Führung die Herausforderungen meistern werden. Obamas Amtsantritt begleiten weltweit große Hoffnungen und Zustimmung.

"Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind ernsthaft und sie sind zahlreich", sagte Obama. "Sie werden nicht leicht oder kurzfristig zu meistern sein. Aber wisse, Amerika: Wir werden sie meistern."

Wahre Werte: Arbeit und Ehrlichkeit, Toleranz und Neugier

Obama appellierte an die Werte der Gründerväter der Nation. "Die Herausforderungen sind vielleicht neu, auch die Mittel mit denen wir ihnen begegnen sind vielleicht neu. Aber die Werte, auf denen unser Erfolg fußt - harte Arbeit und Ehrlichkeit, Mut und Fair Play, Toleranz und Neugier, Loyalität und Patriotismus - diese Werte sind alt. Diese Werte sind wahr."

Obama kündigte an, die USA in eine neue Ära des Friedens zu führen. "Wir weisen die Wahl zwischen Sicherheit und unseren Idealen zurück", sagte er. Amerikas Ideale leuchteten noch immer in der Welt. "Und so sage ich zu allen Völkern und Regierungen, die heute hier zusehen, ... Amerika ist ein Freund jeder Nation und jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes, die nach einer Zukunft in Frieden und Würde suchen - wir sind wieder bereit zu führen".

In den Hauptstädten der traditionell Verbündeten der USA wurde der Amtswechsel im Weißen Haus mit enormen Hoffnungen verbunden. Das Ansehen der USA hat unter Bush schwer gelitten: die fragwürdige Rechtslage beim Einmarsch in den Irak, Folter im Kampf gegen den Terror und das Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba - das für viele als Symbol für die Verletzung der Menschenrechte steht.

Die ganze Welt gratuliert und hofft

Bundespräsident Horst Köhler gratulierte Obama zum Amtsantritt. Zuvor hatte bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre besten Wünsche übermittelt. "Ich hoffe, dass unsere Zusammenarbeit dadurch geprägt ist, dass man einander zuhört, Entscheidungen auf der Grundlage trifft, dass nur ein Land alleine die Probleme der Welt nicht lösen kann, sondern dass wir das nur gemeinsam miteinander schaffen", sagte Merkel.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy erklärte, er wolle mit Obama "die Welt ändern". Der britische Premierminister Gordon Brown sagte, "die ganze Welt ... ist Zeuge eines neuen Kapitels in der amerikanischen Geschichte und der Geschichte der Welt."

Obama kündigte gegenüber der muslimischen Welt einen "neuen Weg nach vorne" an, der begründet sei auf "gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt". Zu Regierungen, die sich mit Korruption, Betrug und der Unterdrückung der Meinungsfreiheit an der Macht hielten, seien auf "der falschen Seite der Geschichte". Aber Amerika strecke die Hand zu jenen aus, "die bereit sind ihre Faust zu öffnen."

Feierlicher Schwur auf die Bibel

Unmittelbar vor seiner Antrittsrede hatte der fünftjüngste Präsident in der US-Geschichte seinen Amtseid auf die Bibel seines Idols und Vorgängers Abraham Lincoln abgelegt, der 1863 die Abschaffung der Sklaverei verkündet hatte. Obama hob die rechte Hand zum Schwur und sprach die Eidesformel: "Ich, Barack Hussein Obama, schwöre feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich verwalten und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften erhalten, schützen und verteidigen will. So wahr mir Gott helfe."

Zuvor war bereits Vizepräsident Joe Biden vereidigt worden. Nach der Zeremonie war eine große Parade vom Kapitol zum Weißen Haus mit rund 10.000 Teilnehmer geplant. Schon Stunden vor der historischen Amtseinführung des Nachfolgers von George W. Bush auf den Stufen des Kapitols hatten sich Hunderttausende begeisterte Menschen vor dem Parlamentsgebäude versammelt.

Vier von fünf Amerikanern sind zuversichtlich

Nach einer Umfrage der "New York Times" sehen vier von fünf Amerikanern seiner ersten Amtszeit zuversichtlich entgegen. Auch rund um den Globus hoffen Regierungen, dass die USA eine verantwortungsvolle Führungsrolle in der internationalen Politik übernehmen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünschte sich von Obama eine bessere Zusammenarbeit in der Weltpolitik.

Bush hinterlässt ein schwieriges Erbe: Die USA sind gezeichnet von der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, zehntausende amerikanische Soldaten kämpfen im Irak und in Afghanistan. US-Medien zufolge will sich Obama schon an diesem Mittwoch mit den Spitzen der Streitkräfte und Militärberatern treffen. Auch stehe der Kampf gegen die schwere Wirtschaftskrise ganz oben auf seiner Liste.

Volksfeststimmung bei Minusgraden

Vor der Vereidigung kamen Obama, seine Frau Michelle sowie Vizepräsident Biden und dessen Frau Jill in Washington zu einem Gottesdienst zusammen. Der Kirchgang in der St. John's Episcopal Church hat Tradition für angehende Präsidenten. Danach trafen die Obamas mit dem scheidenden Präsidenten Bush und dessen Frau Laura im Weißen Haus zusammen.

Die amerikanische Hauptstadt hatte seit dem frühen Morgen einen Massenansturm erlebt. Die U-Bahnen waren völlig überfüllt. Die National Mall, die drei Kilometer lange Parkanlage zwischen Kapitol und Lincoln-Denkmal, war voller Menschen. Es herrschte Volksfeststimmung, immer wieder brach Jubel aus. Bei Temperaturen um Minus sieben Grad zogen die Menschen mit Decken und Schlafsäcken ins Stadtzentrum, viele trugen Obama-Mützen, Obama-Schals und Obama-Sweatshirts. An Kontrollposten zu den Zuschauerzonen rund um das Kapitol bildeten sich Hunderte Meter lange Menschenschlangen. Das größte Spektakel, das die US- Hauptstadt je gesehen hat, sicherten mehr als 40.000 Soldaten und Polizisten. (sgo/dpa)

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