Vereinte Nationen : Annan verabschiedet sich mit Kritik an USA

Mit einer USA-Schelte hat sich Generalsekretär Kofi Annan aus dem Amt verabschiedet. Der "schlimmste Moment" seiner Amtszeit sei der Irak-Krieg gewesen, ein solches Vorgehen dürfe sich im Iran nicht wiederholen.

New York - Annan riet den USA dringend von einem militärischen Vorgehen gegen den Iran nach Vorbild des Irak-Kriegs ab. Dies wäre "katastrophal", sagte er. Angesichts der Lage in der sudanesischen Krisenregion Darfur mahnte Annan ein rasches Eingreifen der internationalen Gemeinschaft an.

Der scheidende Generalsekretär ging auch auf den Korruptionsskandal um das Irak-Programm "Öl gegen Lebensmittel" während seiner Amtszeit ein. In dem Fall habe es "einiges Missmanagement" gegeben, räumte er ein. Es seien wohl auch "mehrere UN-Mitarbeiter" in den Skandal verwickelt. Er hoffe aber, dass die Affäre nicht die Errungenschaften der Vereinten Nationen etwa beim Schutz der Menschenrechte und beim Kampf gegen die Armut in den Schatten stelle. Ein weiterer "schmerzhafter Moment" sei der Bombenanschlag auf die UN-Mission in Bagdad gewesen, bei dem im Sommer 2003 insgesamt 22 Menschen starben, sagte Annan.

Auftrag für Darfur

Den Vereinten Nationen trug Annan auf, die humanitäre Krise in der sudanesischen Region Darfur zu lindern. "Ich hoffe, dass es im kommenden Jahr einen UN-Einsatz vor Ort geben wird, der dem leidenden Volk von Darfur effektiv Sicherheit und Schutz bringt." Der frühere schwedische Außenminister Jan Eliasson, den er am Vortag zum Sudan-Beauftragten ernannt habe, werde weltweit mit den Regierungen zusammenarbeiten und eine Lösung anmahnen.

Annan wird sein Amt offiziell zum Jahreswechsel abgeben. Sein Nachfolger ist der frühere südkoreanische Außenminister Ban Ki Moon. Der aus Ghana stammende UN-Diplomat Annan hatte sein Amt 1997 mit klarer Rückendeckung der USA angetreten. Das Verhältnis zwischen dem Generalsekretär und der Weltmacht verschlechterte sich in den vergangenen Jahren deutlich. Vor allem Annans unablässige Kritik am Irak-Einsatz hatte die Beziehungen abkühlen lassen. Auch in Bezug auf den Umgang der USA mit Terrorverdächtigen und die geplante Reform der Weltorganisation bestanden deutliche Meinungsunterschiede. (tso/AFP)

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