Vereitelter Anschlag : Vier-Terrorverdächtige in Frankreich festgenommen

Laut Polizei wurden Sprengstoffbestandteile bei den Verdächtigen gefunden. Aufmerksam wurden die Behörden auf die potentiellen Täter durch soziale Netzwerke.

In diesem Haus in Montpellier sollen sich die Verdächtigen augehalten haben.
In diesem Haus in Montpellier sollen sich die Verdächtigen augehalten haben.Foto: AFP/ Pascal Gyot

Ermittler haben am Freitagmorgen in Südfrankreich vier Terror-Verdächtige, darunter drei Männern und eine 16-Jährige, festgenommen. Wie der französische Innenminister Bruno Le Roux mitteilte, wurde dadurch "ersten Erkenntnissen zufolge ein unmittelbar bevorstehender Anschlag auf französischem Boden vereitelt". "Die Ermittler gehen davon aus, dass eine Tat geplant war, aber wir wissen nicht, wo und wie", hieß es aus informierten Kreisen.

Die Verdächtigen im Alter von 16, 20, 26 und 33 Jahren wurden im südfranzösischen Montpellier und in zwei weiteren Städten der Region festgenommen, nachdem sie das Lösungsmittel Azeton gekauft hatten. Azeton ist ein Bestandteil des Sprengstoffs TATP, der sich relativ einfach herstellen lässt. Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden nach Polizeiangaben "mehrere Dutzend Gramm TATP in unterschiedlichen Herstellungsstadien" sowie Azeton, das ebenfalls bei der Herstellung von TATP verwendete Wasserstoffperoxid und Schutzhandschuhe gefunden.

16-Jährige war in sozialen Netzwerken aufgefallen

Die 16-Jährige war den Behörden in sozialen Netzwerken aufgefallen. Sie soll dort den Wunsch geäußert haben, ins syrisch-irakische Kriegsgebiet zu ziehen oder in Frankreich einen Anschlag zu verüben. Einer ihrer "Mentoren" soll der ebenfalls am Freitag festgenommene 20-Jährige sein. Dieser wollte sich der Polizei zufolge womöglich "in die Luft sprengen". Er war dem französischen Inlandsgeheimdienst DGSI bekannt.

In Frankreich wurden seit Anfang 2015 mehrere islamistische Anschläge mit insgesamt 238 Toten verübt. Eine Reihe von Anschlägen konnte den Behörden zufolge verhindert werden. Erst vor einer Woche attackierte nahe des Pariser Louvre-Museums ein Ägypter mit zwei Macheten patrouillierende Soldaten. Er schrie dabei "Allahu Akbar" (Gott ist groß) und verletzte einen Soldaten leicht, bevor ein anderer Soldat ihn mit Schüssen außer Gefecht setzte.

Anschlagsrisiko unvermindert hoch

Seit den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 herrscht in Frankreich der Ausnahmezustand, das Anschlagsrisiko gilt als unvermindert hoch. "Wir haben es mit einer äußerst großen terroristischen Bedrohung zu tun", sagte Premierminister Bernard Cazeneuve am Freitag als Reaktion auf die Festnahmen in Südfrankreich.

Derweil beginnt im südfranzösischen Nizza am Samstag unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen der traditionelle Karneval. In Nizza war am 14. Juli vergangenen Jahres ein Mann mit einem Lastwagen in einen Menschenmenge gerast und hatte 86 Menschen getötet. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nahm die Tat für sich in Anspruch. (AFP)

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