Politik : Verhindern, aushöhlen, Ehe bewahren

Wie die katholische Kirche gegen Gleichstellung für Schwule vorgeht

Von Thomas Migge, Rom

und Robert von Rimscha, Berlin

Jeden Sommer zieht eine Parade von Schwulen und Lesben durch Rom. Gegen den Willen des Vatikans und der italienischen Bischofskonferenz. Linke Bürgermeister hatten den Homosexuellen die Möglichkeit geben wollen, auf sich aufmerksam zu machen. Es sind auch linke Politiker, die seit einiger Zeit gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare in Italien fordern. Eine Forderung, die von sämtlichen Oppositionsparteien mitgetragen wird. Auch in der Mitte-rechts-Regierung von Silvio Berlusconi finden sich Abgeordnete, die einer rechtlichen Angleichung zwischen Heterosexuellen und Homosexuellen nicht abgeneigt sind.

Allen voran die Duce-Enkelin Alessandra Mussolini von der Alleanza Nazionale.

Seit Jahren versucht der Vatikan, die Diskussion um gleiche Rechte für Homosexuelle zu bremsen. Jetzt versucht es der Kirchenstaat mit einem offiziellen Schreiben, das am Donnerstag veröffentlicht wird. Unter dem Titel „Betrachtungen bezüglich der rechtlichen Anerkennung von Beziehungen zwischen Homosexuellen“ hat die oberste Glaubensbehörde unter Leitung des deutschen Kardinals Josef Ratzinger ihre Positionen zu Papier gebracht. Hintergrund dieses Schreibens ist, so heißt es, die „Sorge um den moralischen Verfall in der Gesellschaft“.

Die Tatsache, dass sich in Ländern wie Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden Regierungspolitiker immer toleranter gegenüber homosexuellen Paaren zeigen, soll „den Papst in große Sorge versetzt haben“, schreibt der Vatikanexperte der Zeitung „La Repubblica“, Marco Politi. Das Schreiben wendet sich an Politiker. Nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa und den USA. Und natürlich auch in Deutschland.

Hier trat Mitte 2001 das Lebenspartnerschaftsgesetz in Kraft, ein Jahr später wurde es vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. So sind Vertreter der rot-grünen Bundesregierung auf den römischen Vorstoß alles andere als gut zu sprechen. „Ich warne den Vatikan davor, einen Kreuzzug gegen Homosexuelle zu starten“, sagte Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen und einer der Väter des Partnerschaftsgesetzes, am Dienstag dem Tagesspiegel. Die christlich-abendländischen Traditionen Europas seien unbestritten, aber es gebe eben auch die Tradition der Aufklärung und der Einhaltung der Menschenrechte. Auch katholische Politiker müssten dies akzeptieren, sagte Beck. „Und in einer aufgeklärten Gesellschaft muss es eben jene Gleichstellung von Homosexuellen geben, die in Deutschland ja noch nicht erreicht ist.“ Noch hängen nämlich die Angleichung im Steuerrecht und beispielsweise bei der Adoption, zusammengefasst in einem Ergänzungsgesetz, im Vermittlungsausschuss fest.

Der Vatikan fordert katholische Politiker auf, sich in keiner Weise für eine Gesetzgebung auszusprechen, in der „die von Gott gewollte Ehe infrage gestellt wird“. Sei eine Verhinderung nicht möglich, sollten die Bestimmungen zumindest ausgehöhlt werden. Ratzinger nennt dies die „Verringerung der negativen Auswirkungen im Bereich der politischen und moralischen Kultur“.

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