Politik : Verlegers Rat

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Früher, wenn man sehr junge Damen mit sehr langen Beinen und sehr kurzen Röck- chen im Gleichtakt hat herumhüpfen sehen, dann hat man gewusst: Man ist jetzt im Fa- sching oder im Variete. Im rheinischen Volksmund heißt das Phänomen „Funkenmarie- chen“, im Rest der Republik ist selbige Erscheinung eher eingeordnet worden unter der Bezeichnung „Hupfdohlen“. In dem Wort klingt, man kann es nicht leugnen, ein leichtes Naserümpfen durch. In gutbürgerlichen Kreisen hat daher bis vor kurzem die Ankündigung der Tochter, sie strebe eine Karriere beim Fernsehballett an, zu unschönen Familienszenen geführt. Anders in Amerika. Wer dort sehr junge Damen mit sehr langen Beinen und sehr kurzen Röckchen hüpfen sieht, weiß sofort: Es handelt sich um die offizielle Groupie-Truppe des lokalen Baseball- oder Rugby-Teams, die Mädels sind der ganze Stolz ihrer Mütter aus bestem Hause und heißen dort „Cheerleader“.

Dies als Vorrede zum Verständnis des Folgenden. Dieser Tage hat der Verleger Hubert Burda mit der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth zusammengesessen. Die CSU- Mannen haben von dem Medienmann wissen wollen, wie sie als Opposition besser zur Geltung kommen. Der Medienmann hat zu mehr „Cheerleading“ geraten. Das hat den Christsozialen eingeleuchtet. Als der Lan- desgruppenchef, Michael Glos also, draußen vor dem Tagungsgebäude ein Live-Interview fürs Nachtjournal gegeben hat, haben hin- ter ihm größere Haufen CSU-Abgeordneter im Schnee gestanden und jede Aussage ihres Vormannes mit lautem Beifall quittiert. Kurze Röcke trugen sie allerdings nicht. Aber bei bitterem Frost im Jackett jubeln ist ein Anfang.

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