Politik : Versteckt sich bin Laden in Höhlen und Gräben?

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Von Frank Jansen

Die Suche nimmt kein Ende. Osama bin Laden und Taliban-Chef Mullah Omar bleiben verschwunden, trotz der aufwändigen Jagd amerikanischer und anderer Spezialeinheiten im Osten und Süden Afghanistans. Der verwüstete Landstrich ist jedoch nur ein Teil des Problems. Der andere sind die benachbarten, zum Teil von paschtunischen Stämmen kontrollierten Regionen Pakistans, die North West Frontier Province und Belutschistan. Hartnäckig verkünden Sicherheitsexperten, bin Laden und Mullah Omar hielten sich im pakistanisch-afghanisch Grenzgebiet auf. Da schwelt ein Konflikt in der Anti-Terrorkoalition: Die USA sind verärgert, weil Al Qaida und Taliban in West-Pakistan offenkundig ein sicheres Hinterland finden. Das pakistanische Militärregime versucht, seine Ohnmacht in der Grenzregion zu kaschieren.

Es gebe keine „harten Fakten“ für die Behauptung, bin Laden habe sich in Pakistan versteckt, sagte Armeesprecher Rashid Qureshi am Montag, wollte aber die „Möglichkeit“ nicht ausschließen. Der US-Oberbefehlshaber für den Antiterrorkampf in Afghanistan, General Tommy Franks, sieht das offenbar anders: Er besucht derzeit die Grenzregion und spricht mit pakistanischen Militärs. US-Senator Bob Graham äußert sogar ohne jede diplomatische Rücksichtnahme, die amerikanischen Geheimdienste vermuteten bin Laden in Pakistan.

Sicherheitsexperten skizzieren ein abenteuerliches Szenario: Führungsfiguren von Al Qaida und Taliban, verkleidet als „normale Paschtunen“, wechseln zwischen unentdeckten Höhlensystemen in Afghanistan und den Gebieten befreundeter oder zumindest bestochener Paschtunenfürsten hin und her. Als Fluchtwege dienen die schon im Mittelalter angelegten labyrinthartigen Bewässerungssysteme, die vom Hindukusch zum trockenen Süden führen. In den Kanälen wurden bereits Waffenlager gefunden.

Hinweise, bin Laden sei nach Saudi-Arabien entkommen, hätten sich nicht bestätigt, sagen die Sicherheitsexperten. Auch die Angaben des türkischen Geheimdienstes, der Al-Qaida-Führer befinde sich in der UnruheRegion Kaschmir, seien unrealistisch. „Da ist angesichts der Spannungen zwischen Pakistan und Indien viel zu viel Militär.“ Iran tauge nur zum Weiterschleusen von Kämpfern, aber nicht als sicheres Versteck. Ein Experte sagt: „Es bleibt vor allem Pakistan.“

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