Politik : Viel Sonne statt wenig Öl

Forscher fordern den weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie

Dagmar Dehmer

Die Welt wäre friedlicher, wenn sie weniger vom Erdöl abhängig wäre. Davon ist der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderung (WBGU) überzeugt. Am Donnerstag hat der WBGU der Regierung sein Gutachten „Welt im Wandel – Energiewende zur Nachhaltigkeit“ übergeben. Die neun Wissenschaftler um den Vorsitzenden Hartmut Graßl versprechen sich von der Abkehr vom Öl sogar eine „Friedensdividende“. Eine Einschätzung, die Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne), der das Gutachten gemeinsam mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) entgegennahm, teilt. Er sagte: „Angesichts der Begrenztheit der Ölvorräte der Welt muss eine nachhaltige Energieversorgung sich von der Abhängigkeit vom Öl befreien.“

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum die Wissenschaftler eine globale Energiewende verlangen. Die weltweite Klimaerwärmung macht den Wechsel zu erneuerbaren Energiequellen wie Wind, Biomasse und vor allem Sonne zur Überlebensfrage. Der WBGU hält eine durchschnittliche Temperaturerhöhung um zwei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung für den höchsten noch erträglichen Wert. Um eine weitere Erwärmung zu verhindern, müsse Energie effizienter genutzt werden. Bis 2050 sollen dreimal mehr Güter mit der gleichen Energiemenge erzeugt werden, fordern die Wissenschaftler. Gleichzeitig müsse vor allem die Solarenergie massiv ausgebaut werden. Bis 2020 solle ihr weltweiter Anteil an der Energieversorgung von heute 12,5 auf 20 Prozent steigen, bis 2050 sogar auf 50 Prozent. Um das zu erreichen, fordern die Wissenschaftler die Einführung von Ökosteuern und eine veränderte Förderpolitik der Weltbank. Zudem müssten die Industrieländer mehr Entwicklungshilfemittel in den Umbau des globalen Energiesystems stecken. Nur so lasse sich die Energiearmut von rund 2,4 Milliarden Menschen weltweit, die keinen Zugang zu Strom haben, überwinden.

Für die Atomkraft sieht der WBGU in seiner globalen Energiestrategie keinen Platz. Die ungelöste Endlagerung der radioaktiven Abfälle und die mögliche illegale Verbreitung stellten „nicht tolerierbare Risiken dar“, heißt es in dem Gutachten. Ganz zu schweigen von Staaten, die trotz internationaler Vereinbarungen an ihrer eigenen Atombombe basteln, wie Nordkorea.

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