Politik : „Viele Eltern fühlen sich alleingelassen“

Renate Schmidt

rziehung ohne Liebe, Zeit und Vorbild wird scheitern. Aber lieben nicht alle Eltern ihre Kinder? Wahrscheinlich schon, aber lieben sie ihre Kinder wie sie sind oder wie sie wollen, dass sie sein sollen, um die unerfüllten Wunschträume ihrer Eltern zu verwirklichen? Haben Eltern genug Zeit für ihre Kinder, Zeit zum Reden, Zeit zum Spielen, Zeit zum Kuscheln? Sie haben sie zu häufig nicht, weil berufliche Verpflichtungen dagegen stehen, weil wirkliche Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Mütter und Väter in viel zu vielen Betrieben ein Wunschtraum ist, weil das Tempo modernen Lebens die innere Ruhe der Eltern auffrisst und so gemeinsame Kinderzeit zur gemeinsamen Fernsehzeit verkommt. Dabei ist Zeit das Zauberwort für ein geglücktes Familienleben. Zur Erziehung gehören (wenige) feste Regeln. Regeln alleine durch reden vermitteln zu wollen ist zu wenig. Erfolgreiche Durchsetzung von Regeln ist an das Vorbild der Eltern gebunden. Wer von seinen Kindern Ehrlichkeit fordert und sich gegenüber Bekannten brüstet, das Finanzamt beschummelt zu haben, wer die Fernsehzeit der Kinder begrenzt und selbst stundenlang am Wochenende davor hockt, wer qualmt und die Kinder zu Nichtrauchern machen will, wird scheitern. Eltern müssen nicht unfehlbar sein, aber sie müssen ihre Fehler ehrlich eingestehen. Heute fühlen sich viele Eltern allein gelassen und manche überfordert. „Für die Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf“, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Wir brauchen heute wieder so ein Dorf auf eine moderne Art, also eine Gesellschaft, die Kindern nicht überwiegend gleichgültig gegenübersteht.

Renate Schmidt

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