Vier Fragen an Josef Joffe: Was macht die Welt? : So einfach ist Weltpolitik

Was macht die Welt? Spiegelfechten mit der Türkei, Vermitteln für Kim und Schweigen in Myanmar

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So einfach ist Weltpolitik: Wenn jemand Kim Jong Uns Ohr erreicht, dann der fünffache NBA-Champion Dennis Rodman - der praktischerweise auch ein Buddy von Donald Trump ist.
So einfach ist Weltpolitik: Wenn jemand Kim Jong Uns Ohr erreicht, dann der fünffache NBA-Champion Dennis Rodman - der...Foto: Thomas Peter/rtr

Martin Schulz und Angela Merkel sind sich einig über das Ende der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Richtig so?

Die sind Spiegelfechterei und Augenwischerei, weil das nie und nimmer in Beton gegossen ist. Das Spiel läuft seit 1963, als der Türkei die Mitgliedschaft hingehalten wurde. 1999 wurde sie zum Kandidaten befördert, die sogenannten Verhandlungen schleppen sich seit zwölf Jahren hin, weil die EU die Türkei aus tausend Gründen nicht will. Ankara die Faust zu zeigen, ist eine wohlfeile nationalistische Geste, mit der M & M beim Wahlvolk punkten wollten. Wer diplomatisch reüssieren will, präsentiert die Folterwerkzeuge im Kämmerchen, zum Beispiel den Stopp der Beitrittshilfe (bis 2020: 4,4 Milliarden Euro).

Dennis Rodman will zwischen Donald Trump und Kim Jong Un vermitteln. Ungewöhnliche Zeiten, ungewöhnliche Maßnahmen?

Eine brillante Idee. Wenn jemand Kims Ohr erreicht, dann der fünffache NBA-Champion, der auch ein Buddy von Trump ist. Kim ist ein Basketball-Freak, der im Berner Internat Heiligenbildchen von Michael Jordan malte und mit einem Ball ins Bett ging. Er ist ein Fan der Chicago Bulls, für die Rodman einst spielte. Die Liebesaffäre begann 2013, als Kim Rodman in sein Privat-Resort einlud; insgesamt war Rodman viermal beim Bombenbauer. Also ist der Mann, der sich gern in Frauenkleidern zeigt, der ideale Vermittler. WmdW rät Trump: Als erste Geste Kim ein Jahres-Abo für die Bulls schenken. Gibt Kim die Bombe ab, darf er beim nächsten NBA-Finale pfeifen. So einfach ist Weltpolitik.

Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".
Josef Joffe ist Herausgeber der "Zeit".Foto: Promo

Trump will die „Dreamer“, Kinder illegaler Einwanderer, nicht länger schützen. Ist das rassistisch oder Rechtsstaatlichkeit?

„Rassismus“ ist wie „Nazi“, „Jude“ oder „XYZophobie“ eine Keule, die jedes Gespräch zertrümmert. Das richtige Wort ist „Blödheit“. Diese 800.000 Latinos sind in Amerika aufgewachsen, zur Schule gegangen. Sie haben Jobs und selber Kinder. Solche Menschen, die ihr eigenes Land nicht mehr kennen, entwurzelt man nicht, zumal der Ausweisungsorder Tausende Prozesse folgen würden. Ganz kühl: Trump weiß, dass Amerika die Arbeitskräfte ausgehen. Er müsste Gastarbeiter im-, statt Gästekinder deportieren.

Ein Wort zu Aung San Suu Kyi. Die Friedensnobelpreisträgerin schweigt. Dabei gäbe es viel zu sagen über die Gewaltorgie ihrer Armee gegen Myanmars Muslime.

Das zeigt, dass eine demokratische Schwalbe keinen burmesischen Sommer macht, zumal das Militär nach seinem Rückzug die entscheidenden Kompetenzen in der Hand behielt. Die Quasi-Regierungschefin will sich nicht mit der wahren Macht anlegen. Also sagt sie nix, sondern spielt auf Zeit, welche die Muslime nicht haben.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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