Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Bill Clinton Geld schenken und Geheimnisse weitergeben.

Bill Clinton veröffentlicht seine Spender-Liste. Was verrät sie uns?



Ein Maß an finanzieller Promiskuität, die sogar Clintons sexuelle weit übersteigt. In der 10–25-Millionen-Dollar- Kategorie finden wir Saudi-Arabien und amtliche Spender aus Australien und Holland. Eine Stufe drunter (5–10 Mio.) kommt das brave Norwegen. Recht billig haben es sich die Ölstaaten Kuwait, Qatar, Oman und Brunei gemacht (1–5 Mio.), dazu die „Friends of Saudi Arabia“, die Dubai- Stiftung und das „Kulturbüro“ von Taiwan. Ukraine, Libanon, Pharma- und Stahlunternehmen … Allen gemeinsam ist ein Interesse an Einfluss über US-Entscheidungen. Was aber wollte Ferrari-Fahrer Michael Schumacher (5–10 Mio.)? Höchst verdächtig. Im Auftrag der Euro-Autoindustrie dafür sorgen, dass die Amis ihre Tempolimits von 100–110 km/h aufheben? Oder sollte Bill C. Bush überzeugen, das Weiße Haus Ferrari-rot anzumalen?

Der Drahtzieher des Völkermords in Ruanda muss lebenslang in Haft. Ein Triumph der internationalen Justiz?

Vorweg ein weiteres Beispiel für die bekanntlich langsam mahlenden Mühlen der Justiz. Die Massaker fanden 1994 statt. Dann mussten die Angeklagten sistiert werden; das war 2002. Ein Urteil, das sechs Jahre braucht, ist kein Triumph. Ob das Nachahmetäter abschreckt – zum Beispiel im Kongo?

Die lateinamerikanischen Regierungschefs fordern ein Ende der US-Blockade gegen Kuba. Können Sie dabei auf Obama zählen?

Auf „WmdW“ bestimmt nicht. Fällt das Embargo, treiben Millionen von US-Zigarrenrauchern den Preis für die jetzt schon überteuerten Havannas himmelwärts. Obama? Im Wahlkampf klang er gar nicht Fidel: „Der Weg zur Freiheit für alle Kubaner beginnt mit Gerechtigkeit für die politischen Gefangenen, der Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit, mit freien und fairen Wahlen.“ Wer könnte es ihm verübeln, nach Verwirklichung dieser Minimalwerte mit den Fidelistas zu reden?

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik …

Die „Neue Zürcher“ warnt, dass sich Berlin mit dem BND-Ausschuss „lächerlich machen“ könnte. In der Tat. Natürlich haben die BNDler den Amerikanern im Irakkrieg geholfen – so wie ihnen Schröder trotz seiner antiamerikanischen Rhetorik mit Basen-, Nachschub- und Überflugrechten geholfen hat. Das gehört sich so für Verbündete – und allemal für Geheimdienstler, die überall nach dem Prinzip „do ut des“ handeln – gibst du mir, geb ich dir (Infos). Es ist lächerlich (aber wahlkampfmäßig), dass ausgerechnet CDUler Steinmeier deswegen angiften. Und lächerlich, dass der behauptet, die Amis lügten, um so die Deutschen „für die Fehler des Krieges nachträglich in Mithaftung“ zu nehmen. Das ist alles „völliger Quatsch“, wie Joschka F. sagt – alles.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: Moritz Schuller.

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