Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe über Margaret Thatcher, Palästina, Obama und den deutschen Außenminister.

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"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Vor 30 Jahren kam Margaret Thatcher in Großbritannien an die Macht. Ist die Finanzkrise Teil ihres Erbes?



Und wann haben Sie aufgehört Ihre Frau zu schlagen? Wenn der Kapitalismus an allem schuld ist, warum hat er dann nach der Deregulierung der Londoner City 30 Jahre lang so prächtig funktioniert? Die Finanzkrise hat leider viele Väter, zum Beispiel eine sehr laxe Politik des billigen Geldes, die nicht der Kapitalist, sondern der Staat macht. Staatliche Banken – die Landesbanken hier, die quasi-staatlichen Hypothekenbanken in Amerika – machten genauso in Gier & Exzess bzw. haben nicht so genau die Bonität ihrer Kunden geprüft wie die Privaten. Wenn alles jahrzehntelang gut geht, werden die Leute leichtsinnig, weil die Preise ewig nach oben zu gehen scheinen. Eines ist richtig: Im Kommunismus wächst keine Blase, aber außer dem Sicherheitsapparat auch nichts anderes.

Die Gespräche von Hamas und Fatah sind gescheitert. Mit wem reden die Amerikaner nun über die Gründung Palästinas?

Diese Frage zeigt, wo der Nahosthase derzeit im Hummus liegt. Es gibt keine Zweistaatenlösung, wenn es de facto schon drei gibt: Israel, Westbank, Hamastan/Gaza. Abbas ist sehr wohl an einer Israel-plus-Palästina-Lösung interessiert, Hamas, die fest an den Staatenmord glaubt, ist es nicht, sonst würde sie sich gegenüber Israel anders verhalten und nicht als Speerspitze iranischer Großmachtsallüren agieren. Es gibt keine Lösung, nur Lösungen, und die müssen fantasievoller sein als eine derzeit unrealistische Zweiländerkonstellation.

Die US-Demokraten können noch auf 60 Senatoren kommen. Wird Obama anders regieren, wenn er keine Rücksicht mehr auf die Republikaner nehmen muss?

Er regiert doch jetzt schon so, als gäbe es keine Republikaner (die es in der Tat als schlagkräftige, gut geführte Opposition auch nicht gibt). Die Bestechung des Wechselsenators Arlen Specter war nicht nötig; derlei hinterlässt auch immer einen üblen Nachgeschmack. Das war kalte Machtpolitik, die wir eigentlich von Mr. Change nicht erwartet hätten. Außerdem ist zu viel parlamentarische Macht sowieso nicht gut; siehe den Missbrauch, den die Republikaner 1994 ff. mit ihrer Doppelmehrheit im Kongress getrieben haben.

Ein Wort zum Außenminister …

Nun predigt Steinmeier, der Kandidat, den „Schulterschluss“ mit den Gewerkschaften, die aber ergötzen sich am Populismus. Was will denn DGB-Chef Sommer mit „Systemversagen“ sagen? Dass das „System“ gekippt werden muss? Zugunsten von was? Und wieso meint die Volkspartei SPD, die wie eh und je in der Mitte gewinnen muss, im Schlepptau des DGB in Berlin an die Macht kommen zu können?

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: Moritz Schuller.

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