Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Jeden Montag beantwortet "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe an dieser Stelle vier Fragen zur Außenpolitik. Diesmal über Afghanistan, Russland, die EU und Amerika.

Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Was ist die bessere Afghanistan-Strategie: Mehr US-Truppen oder mehr Eigenleistung von Präsident Karsai?

Karsai macht es seinen Mäzenen nicht leicht. Erst fälscht er die Wahlen, dann meckert er auch noch. „Der Westen ist vorrangig nicht hier, weil er an Afghanistan interessiert ist, sondern um den Terrorismus zu bekämpfen.“ Darüber sollte der Präsident froh sein. Denn das Eigeninteresse ist zuverlässiger als der humanitäre Impuls. Wo das Interesse fehlt, geht der Westen nicht hin (siehe Ruanda) oder zieht sich rasch wieder zurück (siehe Somalia). Leider ist auch richtig, dass Rückzugsdrohungen Karsai nicht zu mehr Eigenleistung animieren würden. Deshalb wird Obama Anfang Dezember mehr Soldaten entsenden, wettet WmdW.

Russlands Präsident Dmitri Medwedew kündigt Reformen an. Emanzipiert er sich langsam von Wladimir Putin?

Dass Medwedew ein guter Mensch sei, ist eine Geschichte, die ständig auf den Medienmarkt getragen wird. Die Wiederholung macht die Story nicht richtiger. M. redet manchmal wie ein Reformer, setzt sich aber nie von Putin ab. Wie sollte er auch? Der Machthaber im Kreml heißt Putin – egal mit welchem Titel. Außerdem vermutet WmdW, dass Putin nach Ablauf der M.-Amtszeit sich wieder zum Präsidenten wählen lassen wird – für zweimal fünf Jahre.

Die EU sucht einen Präsidenten. Wer wäre am besten?

Einen, der so charismatisch wie Obama wirkt, so geschickt manövriert wie Clinton, so majestätisch auftritt wie de Gaulle, so strategisch denkt wie Bismarck und so freundlich agiert wie Mutter Teresa. Kriegen wird die EU einen Präsidenten, der niemanden verärgert, stets die Machtverhältnisse respektiert, mit unangreifbaren Formeln hantiert und immer „vermittelbar“ bleibt. Um niemanden zu beleidigen, wird WmdW keine Namen nennen.

Ein Wort zu Amerika ...

Die Republikaner erholen sich nach zwei gewonnenen Gouverneurswahlen in Obama-Staaten (Virginia, New Jersey) von ihrer Depression. Und die Vizekandidatin von 2008, Sarah Palin, verteilt Anti-Depressiva. Die Frau, die von allen guten Menschen in Amerika und Europa für dumm und dreist gehalten wird, geht am heutigen Montag auf Tour, um für ihr Buch „Going Rogue“ zu werben. Wie Obama, der zeitgerecht „Hoffnung wagen“ auf den Markt geworfen hatte. Wie Obama nutzt sie das Internet, um ihre Message an den Medien vorbei direkt ans Volk zu bringen. Bei Facebook hat sie bereits eine Million „Friends“. Denen erzählt sie täglich von ihrer Wandlung zur Staatsfrau. In den Kongresswahlen 2010 wird sie Parteifreunde unterstützen und so für 2012 Schuldscheine sammeln.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“ und lehrt bis Jahresende an der Stanford University.

Fragen: fal

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