Politik : Virtueller Buhmann - Die Betriebskrankenkassen

Carsten Germis

Für die AOKs und die Ersatzkassen sind die Betriebskrankenkassen eine Art Buhmann. Das liegt daran, dass sie vor allem den Ortskrankenkassen junge und zahlungskräftige Beitragszahler abziehen, weil sie im Durchschnitt wesentlich niedrigere Beitragssätze haben als die großen Kassen. Die Ersatzkassen wollen dem jetzt einen Riegel vorschieben, indem sie die Neuerrichtung von Betriebs- und Innungskrankenkassen verbieten wollen. Zudem fordern einige Kassen bereits, dass die Betriebskassen sich auf ihre Betriebsklientel beschränken sollten, weil viele Betriebskassen längst viel mehr Mitglieder als Betriebsangehörige haben.

Es gibt mittlerweile mehr als 350 Betriebskrankenkassen in Deutschland. Sie haben 7,2 Millionen Mitglieder und 10,3 Millionen Versicherte. Im Schnitt liegen ihre Beitragssätze im Westen bei 12,6 Prozent, in den neuen Ländern bei 12,7 Prozent. Der Durchschnittssatz aller Kassen ist mit 13,5 Prozent im Westen und 13,8 Prozent im Osten deutlich höher. Einige Betriebskrankenkassen arbeiten ähnlich wie Direktbanken. Sie haben keine Geschäftsstellen, Mitglieder und Kunden erreichen sie über Telefon oder das Internet. Deshalb bezeichnet man diese Kassen auch als virtuelle Betriebskrankenkassen.

Die Betriebskrankenkassen begründen ihre niedrigeren Beiträge unter anderem damit, dass ihr Verwaltungsaufwand geringer ist. Allerdings ist es nicht so, dass alle Betriebskrankenkassen so niedrige Beitragssätze haben. Viele liegen ebenfalls in dem Bereich, in dem sich die anderen Kassen bewegen. Nur wenige fallen mit Sätzen von unter zwölf Prozent deutlich aus der Reihe - wie die BKK-Heilberufe mit 11,9 Prozent.

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