Politik : Völler macht die Abwehr zum Chef

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Innerhalb der deutschen Mannschaft ist die Anspannung spürbar. Die Spieler gaben sich in den letzten Stunden vor dem Finale wortkarg, Teamchef Völler kam während seiner Pressekonferenz sogar kurzzeitig ins Stottern. „Wir würden am liebsten morgen schon spielen“, sagte Völler im n der Mannschaft. Um keine weitere Unruhe zu erzeugen, fand das Training am Freitag im Geheimen statt, die letzte Übungseinheit am Samstag dürfen die Journalisten nur teilweise verfolgen.

Bei der Ankunft im Spielort wurde die deutsche Mannschaft allerdings gefeiert. Mehr als 2000 Japaner begrüßten die Spieler am Freitag in Yokohama, wo sie im Nobel-Hotel „Yokohama Bay Sheraton“ einzogen. Das Finale am Sonntag werden 70 000 Fußballfans im Stadion verfolgen – und Milliarden Menschen am Fernseher.

Die deutschen Spieler haben großen Respekt vor dem Gegner. Völler sprach voller Hochachtung von den brasilianischen Stars um den WM-Torschützenkönig Ronaldo, der schon sechs Tore bei diesem Turnier geschossen hat. Angesichts der Stärke der brasilianischen Stürmer und der Konterstärke der Südamerikaner setzt das deutsche Team auf die Defensive. Das zeigt allein die voraussichtliche Aufstellung. Als Abwehrchef ist Carsten Ramelow gesetzt. Er wird unterstützt von Christoph Metzelder, Thorsten Frings und Thomas Linke. Den Part des Spielmachers soll Jens Jeremies übernehmen. Der defensive Mittelfeldspieler soll den gesperrten Michael Ballack ersetzen, der wegen zweier Verwarnungen während der Finalrunde für das Finale gesperrt ist.

In der Offensive steht die Aufstellung fest. Neben Miroslav Klose, der während der WM bereits fünf Tore geschossen hat, soll Oliver Neuville stürmen – jedenfalls ein bisschen. Marco Bode soll hinter den Spitzen spielen. Offensiver Hurra-Fußball ist von den Deutschen nicht zu erwarten. „Elf Kämpfer müsst ihr sein“, forderte Rudi Völler in Abwandlung des berühmten Fußball-Spruchs von den elf Freunden.

Die deutschen Spieler sind optimistisch, den vierten WM-Titel einer deutschen Mannschaft nach 1954, 1974 und 1990 zu holen. Der Dortmunder Verteidiger Christoph Metzelder, dem Angebote von mehreren spanischen Klubs vorliegen sollen, meinte am Freitag: „Wir können den Titel holen.“ Der bislang überragende Torhüter Oliver Kahn sagte über die brasilianischen Stars: „Die müssen mich erst mal überwinden.“

Bei Experten und Buchmachern ist Brasilien klarer Favorit. Doch die Südamerikaner scheinen davon nicht recht überzeugt zu sein. Brasiliens Trainer Scolari ließ am Freitag seine Spieler schon mal Elfmeterschießen üben – „für den Fall der Fälle“ . Und als Stürmerstar Ronaldo gefragt wurde, wem er den WM-Titel widmen würde, sagte er nur: „Das sage ich erst, wenn ich den Pokal in der Hand halte.“

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