Politik : Vom Amselfeld nach Den Haag

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Aufstieg und Fall des am 21. August 1941 geborenen Slobodan Milosevic begannen 1989 auf dem Amselfeld im Kosovo. Dort belebte der Diktator, der 1990 serbischer Präsident wurde, den Nationalismus wieder. Im zerfallenden Jugoslawien und in den Kriegen in Kroatien, Bosnien und im Kosovo bestimmte er den Kurs Serbiens. Die Kämpfe kosteten mehr als 200 000 Menschen das Leben. Nach der Vertreibung der serbischen Truppen aus dem Kosovo durch die Nato klagte das UNKriegsverbrechertribunal Milosevic 1999 an. Im Oktober 2000 wurde er durch einen Volksaufstand gestürzt, nachdem er den Wahlsieg des Präsidenten Vojislav Kostunica nicht anerkannt hatte. Im April 2001 ließ die Regierung ihn wegen Amtsmissbrauch und Wirtschaftsverbrechen verhaften. An das Tribunal wurde er aber erst nach internationalem Druck – die USA drohten, Hilfsgelder zu streichen – ausgeliefert. Im Juni wurde Milosevic dann an Den Haag überstellt. Zum ersten Gerichtstermin kam es am 3. Juli 2001. Der Ex-Diktator verzichtete auf juristischen Beistand und verweigerte mit der Begründung, das Tribunal sei „illegal“ die Aussage. Auf die Frage, ob ihm die Anklage verlesen werden solle, antwortete er dem Richter: „Das ist Ihr Problem.“ Das Gericht wertete dies entsprechend der Prozessregeln als eine Nicht-schuldig-Erklärung. Der Prozess gegen Milosevic begann am 12. Februar 2002. Die Staatsanwaltschaft befragte fast 300 Zeugen und schloss im Februar die Beweisaufnahme ab. Milosevic will zum Beweis seiner Unschuld 1631 Zeugen vorladen. Darunter sind Kanzler Gerhard Schröder, der frühere US-Präsident Bill Clinton und der britische Premier Tony Blair. lem

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