Vor Generalstreik : Proteste auf Madagaskar fordern Todesopfer

Mindestens drei tote Demonstranten, mehrere Verletzte: Bei Protesten, Brandanschlägen und Plünderungen auf der Afrika vorgelagerten Tropeninsel Madagaskar kam es am Montag zu Tumulten.

Antananarivo Über der Hauptstadt Antananarivo stand eine schwarze Rauchwolke. Die Gebäude zweier regierungsnaher Fernsehsender brannten, Einkaufszentren wurden geplündert und zerstört. Die Plünderungen setzten sich am Abend im Geschäftsviertel Chinatown fort. Das Zentralgefängnis der Stadt wurde von Demonstranten gestürmt, berichtete der Rundfunk. Dort saßen drei Jugendliche ein, die am Vortag Brandanschläge auf Regierungsgebäude verübt haben sollen.

Das Militär, das zunächst gegen die Demonstranten vorgegangen war, zog sich wenig später zurück. Mehrere Regierungsmitglieder verließen nach Augenzeugenberichten die Stadt. Nach unbestätigten Informationen befand sich Staatspräsident Marc Ravalomanana (59) in Südafrika, wo am Montag ein Simbabwe-Krisengipfel des regionalen Staatenbunds SADC stattfand. Madagaskar ist SADC-Mitglied.

Häuser des Präsidenten brennen

Der Protest von bis zu 80.000 Menschen hatte sich an der Schließung eines populären regierungskritischen TV-Senders entzündet. Die Massendemonstration bildete den Auftakt für einen unbefristeten Generalstreik auf der Insel, zu dem Ravalomananas Rivale - der Bürgermeister der Hauptstadt, Andry Rajoelina (34) - aufgerufen hatte. Die meisten der in Brand gesteckten Gebäude gehören zum umfangreichen Privatbesitz des Präsidenten. Ravalomanana besitzt neben dem größten Lebensmittelkonzern des Landes eine Radio- und Fernsehstation, zwei Tageszeitungen, eine Straßenbaufirma und eine Druckerei.

Rajoelina wirft dem Staatschef Diktatur und Verletzungen der Pressefreiheit in dem bitterarmen Land vor. Der war einst ebenfalls Bürgermeister der Hauptstadt, bevor er im Jahr 2002 das höchste Staatsamt übernahm und im Dezember 2006 im Amt bestätigt wurde. Sein Rivale Rajoelina war Ende 2007 mit über 63 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister der Hauptstadt gewählt worden. Eskaliert ist die Situation Mitte Dezember 2008, als die Regierung Rajoelinas populären Fernsehsender "Viva" nach der Ausstrahlung eines Interviews mit dem früheren Präsidenten Didier Ratsiraka schließen ließ. Ratsiraka lebt seit 2002 im Exil in Frankreich. (mpr/dpa)

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