Vor Nato-Gipfel : Obama spricht über Abzug aus Afghanistan

Zehn Tage vor dem Nato-Gipfel hat Präsident Barack Obama die Amerikaner beruhigt, dass der US-Einsatz in Afghanistan zeitlich und im Umfang befristet sein werde.

Christoph von Marschall[Washington]

„Wir brauchen eine Exitstrategie“, sagte Obama in einem Fernsehinterview. Er milderte damit den Eindruck ab, dass er eine fundamentale Wende anstrebe und den Konflikt durch einen sichtbaren Sieg über die Taliban beenden wolle. Die Ziele der Mission definierte er bescheidener als sein Vorgänger George W. Bush. Er wolle „sicherstellen, dass Al Qaida die USA, die US-Interessen und unsere Verbündeten nicht mehr angreifen kann“, sagte Obama. Bush hatte den Aufbau von Demokratie und Zivilgesellschaft als Ziel genannt.

Im Wahlkampf hatte Obama betont, der Konflikt in Afghanistan sei im Gegensatz zu dem in Irak „der richtige Krieg, der unbedingt gewonnen werden muss“. Nach wenigen Wochen im Amt hat er eine Verdoppelung der US-Truppen um 30 000 Mann für 2009 angeordnet. Nun sagte er, „es muss klar sein, dass wir damit nicht endlos weitermachen“. In den USA wird erwartet, dass er die europäischen Verbündeten auffordert, ebenfalls mehr zu tun. Diplomaten prognostizieren aber, Obama werde allenfalls verklausuliert größere Beiträge von den Alliierten erbitten, da er den Gipfel zum 60. Geburtstag der Nato am 3. und 4. April in Baden- Baden und Straßburg nicht mit einem Streit über Afghanistan belasten wolle.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will am Donnerstag eine Regierungserklärung zum Nato-Gipfel abgeben und dabei über den deutschen Beitrag in Afghanistan sprechen. Deutschland, Frankreich und die meisten anderen Nato-Staaten haben in der jüngsten Zeit klargemacht, dass sie nicht mehr Soldaten schicken wollen. Der türkische Verteidigungsminister Vecdi Gönül deutete dagegen an, dass sein Land die derzeit 800 Mann verstärken könne. Die USA werden nach ihrer Aufstockung etwa doppelt so viele Soldaten in Afghanistan haben wie alle anderen Nato-Staaten zusammen. Obama spricht öfter als Bush von der zivilen Seite des Aufbaus in Afghanistan und vermeidet den Begriff „Krieg gegen den Terror“. 

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar